Das Islay
Festival of Malt and Music
Feis IleFür die zahlreichen
Freunde von torfigem Whisky ist die Isle of Islay sozusagen das
gelobte Land. Einmal im Jahr gibt es eine besonders gute Möglichkeit
für eine Pilgerfahrt – das Islay Festival of Malt and
Music oder auf gälisch: Feis Ile (sprich „Faisch Ail“).
Dabei handelt es sich um eine Art „Tag der offenen Tür“,
jeden Tag in einer anderen Destillerie. Auf Islay gibt es 8 Destillerien
plus Jura auf der gleichnamigen Insel nebenan, also dauert das
Festival 9 Tage, dieses Jahr vom 24. Mai bis zum 1. Juni.
Obwohl ich nicht gerade der größte „Peatfreak“
bin, muss man natürlich mal dort gewesen sein. Mitten in
meiner Urlaubsplanung erreichte mich eine Anfrage von Whiskykoch
Chris Pepper bzw. seiner Frau Marion, ob ich deren Reise dorthin
in meinem WHISKYFANBLOG
vorstellen könnte. Konnte ich, und als sich meine anderen
Planungen zerschlugen, hatten sie auch noch einen Platz für
mich frei. Gibt es was besseres, als mit einem Koch in Urlaub
zu fahren?
Leider ist die Anfahrt nach Islay nicht ganz einfach. Die schnellste
(und natürlich auch teuerste) Möglichkeit sind drei
Flüge: Frankfurt-London, London-Glasgow und Glasgow-Islay.
Von Glasgow aus kann man auch per Bus nach Kennacraig auf der
Halbinsel Kintyre und von dort mit der Fähre übersetzen.
So oder so ist man mit den ganzen Wartezeiten mindestens 10 Stunden
unterwegs. Mit Auto und Fähre von Deutschland aus ist es
in einem Tag kaum zu schaffen.
Freitag, der 23. Mai 2008 –
Anreise
Nach rund 10 Stunden Anreise wurden zwei Mitreisende und ich
gegen 18 Uhr auf Islays winzigem Flughafen, einem Flugfeld aus
dem zweiten Weltkrieg direkt am Strand, von Marion abgeholt. Mit
dem Mietwagen ging es über die Küstenstraße, die
bessere der zwei Hauptstraßen Islays, zur Red Lodge. Das
sehr nette und vor allem recht neue rote Holzhaus mit fünf
bequemen Doppelzimmern liegt zwei Meilen östlich von Islays
größter „Stadt“ (ganz Islay hat nur 3400
Einwohner) Bowmore an der High Road (der schlechtern der zwei
...).



Samstag, der 24. Mai 2008 –
Lagavulin
Nach einem ausgiebigen „Full Scottish Breakfast“
mit Porridge, Eiern, Speck, Würstchen und gebackenen Bohnen
ging es runter an die Südküste, wo hinter dem Hauptort
und Fähranleger Port Ellen, mit den Resten der gleichnamigen
Destillerie und dem monströsen Wellblechgebäude der
Port Ellen Maltings, die drei Destillerien Laphroaig, Lagavulin
und Ardbeg wenige Kilometer hintereinander liegen – aus
dem Flugzeug übrigens ein sehr schönes Bild beim Anflug.Die
Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde, je nach Mut des Fahrers auf
den durch den Torfboden sehr welligen Straßen. Da die Mietwagen
auf der Insel alle schon ziemlich durch sind, sitzt man dabei
mit fünf Personen im Auto sehr schnell auf ...
Vor dem Besuch der Destillerie haben wir erst mal einen Abstecher
zum Dunyveg Castle eingeschoben, einer sehr ruinösen Ruine
auf einer kleinen Landzunge hinter Lagavulin mit wunderschönem
Blick auf die Brennerei. Bei Lagavulin ging es dann erst mal in
den Shop, um eine Flasche der begehrten und limitierten Festivalabfüllung
zu ergattern. Eigentlich auf eine Flasche pro Person begrenzt,
war es kein großes Problem, einfach mehrmals hinzugehen.
Danach absolvierten wir hintereinander erst ein sehr witziges
Warehouse-Tasting mit dem Original Ian „Pinkie“ McArthur,
eine Destillerie-Tour und ein Masterclass-Tasting. Neben drei
Glencairn-Gläsern mit Festival-Aufdruck gab es dabei auch
einiges an Whisky zu probieren. Allein beim Warehouse-Tasting
gab es schon einige Schätze direkt aus dem Fass, nach der
Führung diverse offene Flaschen und bei der Masterclass schließlich
noch New Make, das Festival Bottling, eine Friends-Abfüllung
sowie die Distillers Edition und den Standard 16yo. Für den
ersten Tag mehr als genug und eine ausreichende Grundlage für
eine ausgiebige Tea Time und ein von Chris zubereitetes Dinner
in der Red Lodge.
Man sollte noch kurz erwähnen, wie das Rahmenprogramm bei
Lagavulin aussah: Ein Lastwagenaufleger als Bühne mit dem
lokalen Hausfrauenchor und ein paar Hobbymusikern, Tee, Kaffee
und belegte Brote sowie Muscheln mit Reis. Dazu haben sich ein
paar Besucher im Hof verteilt, mit viel Glück waren es etwas
über hundert. Dafür war das Wetter sensationell: wolkenloser
blauer Himmel, Sonne, weit über 20 Grad, kaum Wind –
und das sollte die Woche über auch so bleiben.



Sonntag, der 25. Mai 2008 –
Bruichladdich und Laphroaig Friends Lounge
Am zweiten Tag stand Bruichladdich auf dem Plan. Da wir relativ
früh dran waren, blieb noch Zeit für eine Fahrt nach
Portnahaven. Von Bowmore aus muss man entlang der Küstenlinie
von Loch Indaal fahren, einer Art Fjord, der früher zusammen
mit dem weiter nördlich liegenden Loch Gruinart Islay in
zwei Hälften teilte. Am Ende des nordwestlichen „Arms“
von Islay liegt Portnahaven, ein kleines Fischernest, in dessen
Bucht meist Robben auf den vielen Felsen liegen. Die kleine vorgelagerte
Insel Orsay mit dem Leuchtturm Rhinns Point macht das malerische
Bild komplett.
Dass Bruichladdich nicht nur zu den Favoriten vieler Besucher,
sondern auch der Einheimischen zählt, sieht man am Hoffest:
Besucherzahl Lagavulin mal 10, ebenso die Stimmung. Als musikalische
Untermalung u.a. Norma Munro und Robin Laing. Und „open
day“ heißt hier wirklich: Alles offen, das Warehouse
mal ausgenommen. Bottling Hall? Aber klar doch. Still House? Kein
Problem. Einfach reingehen. Da können sich viele Brennereien
auf dem schottischen Festland eine Scheibe abschneiden, wie man
mit Besuchern umgeht.
Neben guten Burgers, Scallops und Scones gab es natürlich
auch flüssige Nahrung. Neben diversen Barständen mit
dem kompletten Programm von Bruichladdich und Murray McDavid waren
wir bei der Masterclass im Warehouse No. 12 oben am Hügel.
Eine Masterclass mit Jim ist wie ein Gottesdienst – vorne
steht einer mit Mikro und redet wie ein Wasserfall und alle anderen
hören andächtig zu. Nur dass hier keiner einschläft.
Zumindest nicht, bevor die Schnäpse verkostet sind: Waves,
PC7, 1991, 1988, Chateau D'Ykem, Rocks. Alle zwei Gläser
unterbrochen von musikalischen Einlagen von Robin Laing (der auch
als Stand-Up-Comedian gute Chancen hätte), Norma Munro und
einem einheimischen Traditional-Sänger. Witzigerweise saß
ich direkt unter einem der Dachfenster, durch das die Sonne reinbrannte.
Mitten im Warehouse (fast) einen Sonnenbrand zu bekommen ist schon
ein Kunststück.
Nach einem gemeinsamen Abendessen im Bridgend-Hotel in der gleichnamigen
Ortschaft zwischen Bruichladdich und Bowmore fuhren wir noch runter
zu Laphroaig zu einem(?) „Nightcap“ in der sehr schön
gestalteten FOL(Friends of Laphroaig)-Lounge. Die Festivalabfüllung
„Cairdeas“ (gälisch für Freundschaft), ein
12yo Single Cask vom Highgrove Shop und der 30yo(!). Da kann man
nicht meckern und außerdem sehr gut schlafen ...



Montag, der 26.05.2008 –
Ardbeg und Caol Ila
Caol Ila hatte schon im Vorfeld angekündigt, statt einer
eigenen Festivalabfüllung einen 21jährigen Port Ellen
von 1981 abzufüllen – und das für nur 99,99 GBP
bei 200 Flaschen! Das roch nach schneller Preissteigerung und
entsprechend viele Interessenten fuhren früh zur Destillerie,
um der britischen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen –
Schlangestehen. Wir waren leider etwas spät dran und dachten
uns schon, dass es wohl nicht reichen wird. Bis auch jemand von
der Destillerie darauf kam, dass man die Schlange ja mal abzählen
könnte, dauerte es eine Weile.
Für uns zu lange, weshalb wir zur Masterclass mit Mickey
Head zu Ardbeg aufbrachen, die unter dem Titel “Talking
Heads” im frisch renovierten Malting Floor gegenüber
dem Kiln Café stattfand. Vorne ein Tisch mit den Flaschen,
dahinter ein Kreis aus Fässern zum Abstellen der Gläser.
Mickey ruft erst mal alle in die Mitte und statt einer schulartigen
Veranstaltung wie anderswo gibt es ein lockeres Gespräch,
bei dem er rundum von Gruppe zu Gruppe geht und sich mit jedem
ausführlich unterhält. Dazu gibts in lockerer Folge
den Very Young, den neuen Renaissance, den sehr guten Corryvreckan
(Committee only), einen 1975 Single Cask Oloroso Sherry mit 54%
sowie als Überraschung ein Cask Sample eines 5jährigen
aus einem Weißweinfass, zu dem Mickey sich keine weiteren
Infos entlocken ließ. Eine wirklich tolle Veranstaltung
und ein würdiger, wenn auch ganz anderer Nachfolger von Stuart
Thomson als Distillery Manager. Als er dann noch verlauten ließ,
dass in Zukunft wieder eigenes Malz bei Ardbeg produziert werden
soll, sorgte das bei vielen für leuchtende Augen.
Danach zurück ins Auto und wieder quer über die Insel
zurück zu Caol Ila zur Führung und anschließenden
Masterclass mit Manager Billy Stitchel. Die Führung wurde
vom selben Personal durchgeführt wie bei Lagavulin und war
nur mäßig interessant. Die Destillerie wirkt wie eine
sterile Fabrik und bei der Masterclass wurde dann auch klar, warum
das so ist. Im Warehouse war ein Kreis von Fässern aufgebaut,
darauf eigens für den Tag produzierte Tasting Mats mit peated
und unpeated New Make, einem 8yo unpeated, dem 12yo Destillery
only Bottling, dem 25yo sowie der Destillers Edition. Dabei wurde
klar, dass der unpeated Spirit eigentlich der viel bessere ist,
aber sich angesichts der Islay-Peat-Euphorie kaum vermarkten lässt.
Zudem hat die Destillerie keinen Einfluss auf die Abfüllungen,
alles wird von der Konzernzentrale aus gesteuert und entschieden.
Die Destillerie selbst produziert nur den Spirit, der sie gleich
dnach verlässt und bei Lagavulin und anderswo gelagert wird.
Kein Wunder, dass die Identifikation mit den eigenen Produkt eher
mau ausfällt.
Nach einem High Tea in der Red Lodge, einer Art Brunch zur falschen
Tageszeit, fuhren wir noch zur Blind Nosing Competition in die
Ramsay Hall in Port Ellen. Ein witziger Bau, der vorne als Kirche
begonnen wurde und hinten als Scheune aufhört – zumindest
wirkt es so. Drinnen Stände der Destillerien, an jedem nummerierte
Samples aller Standardabfüllungen in blauen Blind-Nosing-Gläsern.
Beim Eintritt bekommt man einen Zettel, bei dem man den Samples
1-8 die Destillerienamen zuordnen muss sowie für die New
Makes 9 und 10 rausfinden, von welcher Destillerie sie stammen
könnten. Obwohl man sich theoretisch an der Bar alle Abfüllungen
ausschenken und gegennosen könnte, ist das verdammt schwer!
Gewonnen hat Anders Jonasson, Mastermind der neuen schwedischen
Box Destillerie, den wir ein paar Tage später im Rahmen eines
Dinners noch kennen lernen sollten.



Dienstag, der 27.05.2008 –
Laphroaig
Morgens stand eigentlich eine Warehouse-Tour mit Jim McEwan bei
Bruichladdich auf dem Programm, die wegen Terminproblemen kurzfristig
abgesagt werden musste. Statt dessen führte uns Academy-Absolvent
Chris Pepper durch die Produktion und auch einige Ecken, wo man
normalerweise nicht hinkommt.
Anschließend ging es gleich weiter zu Laphroaig, wo eine
unerwartet interessante Führung mit dem Assistant Manager
auf uns wartete. Die Malting Floors waren voll in Betrieb, man
konnte sowohl frisch ausgebreitetes Malz sehen als auch solches,
das bereits einige Tage gekeimt hatte. Dazu war die Kiln in Betrieb
und man konnte sogar einen Blick hinein werfen. Eine Tour ohne
jede Hektik, jede Frage wurde ausführlich beantwortet. Nach
anderthalb Stunden waren alle rundum zufrieden und konnten sich
als Abschluss noch kostenlos durch die komplette Range trinken.
Danach folgte die Masterclass mit Master Blender Robert Hicks
in der Friends of Laphroaig Lounge statt, die wir ja schon am
Sonntag im Rahmen des Nightcap besichtigen konnten. Als Samples
gab es die Festivalabfüllungen der letzten drei Jahre: Von
2006 einen 12jährigen 1994er mit 56%, der eher in die süße
Richtung mit Blutorange und Lakritz geht. Von 2007 einen 17jährigen
1989er mit 50% , eher sauer und floral. Und schließlich
den Cairdeas von 2008 mit 55%, eine 10-14 ½ Jahre alte
Mischung aus jüngeren Quarter Casks und älteren Sherry
Butts. Ein interessantes Tasting mit vielen Einblicken in die
Arbeit eines Master Blenders und wie man am besten viele Samples
am Tag probiert – da es ein Video davon gibt, könnt
Ihr Euch selbst
ein Bild davon machen.
Nach einer Teepause in Arbegs Kiln Café mit Kuchen und
sehr leckeren Waffeln mit Eis und Ahornsirup ging es zurück
zur Lodge zu einem dreigängigen Whiskykoch-Dinner mit Kilchoman-Manager
Anthony Wills und seinen bisherigen Abfüllungen. Nach einem
91er Bruichladdich von Coopers Choice als Einstieg gab es zum
Kilchoman New Make eine Suppe mit Äpfeln und Makrelen, zum
Einjährigen Roastbeef mit Kartoffelbrei, grünen Bohnen
und grünem Spargel in Heidelbeersauce und zum Zweijährigen
halbgefrorenes Parfait mit Eiweiß, Sahne und Himbeeren,
das zudem noch durch den Kilchoman-Bramble-Likör ergänzt
wurde. Zur Verdauung hinterher noch den 15jährigen Bruichladdich
Duke of Edinburgh, eine mit 40 GBP sehr günstige sherrylastige
Abfüllung.



Mittwoch, der 28.05.2008 –
Bruichladdich Warehouse Tour und Bowmore im Regen
Am Mittwoch wurde dann die gestern ins Wasser gefallene Warehouse-Tour
mit Jim McEwan bei Bruichladdich nachgeholt. Heute war Jim zwar
körperlich anwesend, wirkte aber zuerst etwas geistig abwesend,
was bei dem Sauwetter aber auch nicht wirklich verwunderlich war.
Draußen goss es aus Kübeln, drinnen im Warehouse war
es zwar kalt, aber wir wurden ja von innen gewärmt. Auch
Jim taute beim Anblick seiner Schätze merklich auf und zauberte
allerlei aus dem Fass – ich erinnere mich dunkel an einen
Caol Ila, einen Auchroisk, einen zu lange gelagerten Springbank,
einen göttlichen Littelmill und vieles mehr. Kein Laddie?
Richtig, da lagern nämlich die Fässer für Murray
McDavid!
Eigentlich schon gut abgefüllt geht es weiter zu Bowmore
zur “Blass Class” mit Master Blender Ian McCallum.
New Make mit 69% (toller Apfelschnaps), 12jähriger Standard,
Enigma, Darkest, Mariner, 18er und zum Abschluss das Feis Ile
Bottling 2008, ein auf 800 Flaschen limiterter 8jähriger
Vat aus drei Weinfässern. Zartrosa, ölig, Tannin und
Trauben – wirklich sehr lecker, aber mit 80 GBP auch sehr
stolz bepreist. Da hilft auch die schwarze Samthülle nicht
weiter.
Da der Regen nicht aufhörte schauten wir noch kurz bei Walter
Schoberts Islay Ales vorbei, die heute auch ihren “open
day” Day hatten. Der Andrang hielt sich in Grenzen. Nach
einer Teepause im Quilt-Shop mit sehr interessanter Dekoration
und noch interessanteren Kuchen (Zitat Chris: “Diese Art
Kuchen habe ich das letzte mal als kleines Kind gesehen.”)
bestand der Abschluss des Tages aus einem Dinner im Harbour Inn
in Bowmore, den man durchaus empfehlen kann.



Donnerstag, der 29.05.2008 –
Isle of Jura und Jura House Garden
Am nächsten Tag versprach das Wetter wieder Besserung und
das war auch nötig, ging es doch rüber auf die Nachbarinsel
Jura. Ich war sehr gespannt, da Jura nicht gerade zu meinen Topfavoriten
gehört. Von Port Askaig im Nordosten Islays fährt eine
kleinen Autofähre den knappen Kilometer rüber, auf Jura
führt dann eine einspurige Straße, die man bei uns
als asphaltierten Feldweg bezeichnen würde, die paar Kilometer
um die Südspitze herum zum Hauptort Craighouse. Die ganze
Insel hat übrigens nur 200 Einwohner, wovon die meisten wohl
mit der Destillerie und dem angeschlossenen Jura Hotel zu tun
haben dürften.
Bei der Führung dann schon die erste Überraschung –
Master Distiller Willie Tait kommt als Erster auf die Idee, alle
5 Minuten Samples vom Middle Cut abzufüllen und die Besucher
daran riechen zu lassen. Da man sonst ja nur den Querschnitt davon
im Glas hat ist es sehr interessant, die Veränderung des
Spirits über die 60 Minuten des Cuts kennen zu lernen, von
einem fruchtigen Obstschnaps hin zu einem malzbetonten Korn.
Danach gehts zur Masterclass mit Distillery Manager Willie Cochrane
in einem großen Zelt am Strand. Auf Fässern sind die
vier zum Festival kreierten “Elements” Fire, Air,
Water und Earth aufgebaut, die es in dieser Reihenfolge zu probieren
gibt. Der 10jährige Fire kommt aus Bourbon- und Toasted-Oak-Fässern
und hat einen entsprechend feurig-rauchigen Geschmack. Der 15jährige
Air aus American White Oak und Manzanilla ist eher leicht und
maritim. Der 19jährige Water ist aus drei Sherryfässern
komponiert, frisch, marmeladig. Der Earth schließlich hat
seinen Namen von der Verwendung des nur 1999 destillierten peated
Spirits und ist 2 Jahre in French Limousin nachgereift, was ihm
neben krafätigem Torfrauch einen leichten Geschmack nach
Bitter Orange Marmalade verleiht. Alle zusammen wurden mit 46%
in Auflagen zwischen 400 und 800 Flaschen abgefüllt. Zusammen
kosten sie um 400 GBP, den Lederkoffer noch gar nicht mitgerechnet.
Schade eigentlich.
Zum Abschluss geht es dann noch zur Mixing Class mit Master Blender
(in den Fall durchaus zweideutig zu verstehen) Richard Patterson,
der wie erwartet eine One-Man-Show erster Güte hinlegt. Nach
kurzer Einführung sollen die Teilnehmer aus diversen Samples
ihren ganz persönlichen Blend kreieren. Die nummerierten
Gläser werden eingesammelt und nach dem Mittagessen aus durchaus
leckeren Burgers und Game Sausages von Patterson benotet. Die
drei ersten Plätze bekommen je eine Abfüllung geschenkt,
die Plätze danach immerhin noch eine Urkunde, die der Meister
höchst persönlich ausfüllt und unterschreibt. Für
alle gibt es zudem noch ein kleines Paket aus einem Schlüsselanhänger,
einem Jura-Glas und einer Miniatur der Standardabfüllung.
Die Jungs geben sich Mühe, muss man wohl auch, am Ar... der
Welt ;-)
Auf halbem Weg zurück zur Fähre legen wir noch einen
Spaziergang durch den Jura House Garden ein. Unterhalb des immer
noch bewohnten Herrenhauses liegt bis runter zum Strand eine typisch
britische Gartenanlage mit einer Kombination aus totaler Wildnis
und grellbunt überbordenenden Gärten. Das schöne
Wetter lädt zu einer kurzen Pause am Strand ein, bei der
sich ein mutiger Tourist (ich nenne jetzt keine Namen ...) sogar
ins eiskalte Wasser wagt. Sobald man die windige Küste verlassen
hat, überfallen einen in den von Mauern umgeben Gärten
leider die Midges, weshalb wir uns schnell zurück zu den
Autos begeben – um dann ewig auf die Fähre zu warten.
Beim kürzlich erfolgten teueren Umbau der Kaianlagen von
Port Askaig hat man leider übersehen, dass die große
Fähre vom Festland leider die kleine Autofähre nach
Jura blockiert, sobald sie anlegt ... so fällt der Tee leider
aus und geht direkt in ein Dinner in der Lodge über.



Freitag, der 30.05.2008 –
Finlaggan, Bunnahabhain und Kilchoman
Das Wetter hat sich nun endgültig für Hochsommer entschieden
und so geht es mit viel Sonne und wenig Wind erneut in den Nordosten
der Insel zu Bunnahabhain, nicht ohne einen Abstecher zu Finlaggan,
dem Sitz der Lord of the Isles. Auf einer Insel in einem versteckt
liegenden See liegen die wenigen Ruinen einer Siedlung, in der
einmal gut tausend Personen gelebt haben, bevor sie von den Engländern
zerstört wurde.
Die Lage Bunnahabhains in einer geschützten Bucht mit direktem
Blick auf die Paps of Jura ist einfach traumhaft! Ein Engländer
führt uns durch die Destillerie, die durch Ihre sehr ungewöhliche
Form der Brennblasen besticht. Die riesigen Sherry Butts im Warehouse
erinnern mich daran, dass der Bunna eigentlich zu meinen Lieblingen
gehört, wenn ich auch bisher eher wenig davon getrunken habe.
Auf dem kleinen Hoffest gibt es dann die Gelegenheit, die leider
total überteuerte Festivalabfüllung, einen 21jährigen
Cask Strength von 1986 zu probieren. Wenn er nicht knapp 200 GBP
kosten würde, hätte ich ihn sofort gekauft.
Bunnahabhain hat sich etwas besonderes überlegt und einen
“Mixologist” engagiert, einen französischen Barkeeper
namens Mikael Perron, der in einer zweistündigen Session
das Mixen von Cocktails mit Bunna 12 und Black Bottle nicht nur
erklärt, sondern die Teilnehmer selbst Hand anlegen lässt.
Nun weiß ich endlich, wie ein Whisky Sour richtig geht und
warum die meisten die man so trinkt so unglaublich schlecht sind.
Am späten Nachmittag geht es dann noch zur jüngsten
Islay-Destillerie Kilchoman (das c wird übrigens nicht gesprochen:
Kil-homan, mit Betonung auf dem h!). Im Nebengebäude einer
Pferdefarm liegt der nette Shop mit Café und direkt daneben
die übersichtliche Destillerie, ein Still Room und einer
mit den Bottichen, alles noch “at work” mit Rohren,
die im Nirvana enden und herumliegenden Schraubenschlüsseln,
Sägen und Bohrern. Winzig, aber sehr nett!
Wenige Kilometer weiter Richtung Westküste liegt die Machir
Bay, ein breit geschwungener Sandstrand, an dem wir ein Picknick
mit Barbeque einlegen. Auf drei kleinen Aluschalen-Grills aus
dem Supermarkt zaubert Chris Burgers, Sausages und Lachssteaks,
die wir vor dem Küstenpanorama und zurückgehendem Wasser
genießen. Herrlich. Nach dieser Ruhe spare ich mir zusammen
mit zwei Mitreisenden den Ball bei Bunnahabhain unter dem programmatischen
Titel “Malt, Music and Midges”, von dem die anderen
erst weit nach Mitternacht zurück kommen.



Samstag, der 31.06.2008 –
Ardbeg
Gut erholt starten wir zum Abschluss der Reise, dem Open Day
bei Ardbeg. Nach einem kurzen Abstecher zum Kildalton Cross versammeln
sich dort noch mal alle, die in dieser Woche auf der Insel waren.
Entsprechend voll sind Café (Warteliste!) und Hof, in dem
eine wirklich gute Band Klassiker von den 60ern über Pink
Floyd bis AC/DC spielt. Zwischendurch eine Distillery Tour mit
der Frau von Mickey Head, ein leckeres Essen im Kiln Café
und für einen Teil unserer Gruppe eine Wanderung zur Wasserquelle
des Airigh Nam Beist. Ein schöner Abschluss, gekrönt
vom Abschiedsdinner im Port Charlotte Hotel, das als bestes Restaurant
der Insel gilt und diesen Ruf wohl auch verdient hat.



Ruhetag und Abreise
Nach dem Ende des Festivals beiben ich und die meisten der Mitreisenden
noch einen weiteren Tag auf Islay, den wir für eine Wanderung
zum Steinzeitfort Dun Nordebridge nutzen. Den Rest vom Tag verpacken
wir unsere Einkäufe, die gesammelt auf einer Palette den
Weg nach Deutschland antreten (und nach einigen Wirrungen wie
zu erwarten erst lange nach uns dort eintreffen). Die Rückreise
am Montag verläuft etwas chaotisch. Erst Nebel in Glasgow,
dann ein ausgefallener Flug nach London und schließlich
noch eine Verzögerung wegen Unwetter in Frankfurt –
um Mitternacht komme ich dort an, kurz nach 17 Uhr hätte
es sein sollen.



Das Fazit
Trotz aller Umstände kann ich jedem nur empfehlen, einmal
selbst nach Islay zu fahren. Die Insel ist Schottland im Kleinen
- Highlands, Lowlands, Küste, alles auf wenigen Kilometern.
Auch wenn An- und Abreise etwas lästig sind, es lohnt sich!
Und um meine Bemerkung vom ersten Teil des Reiseberichts zurück
zu kommen: Gibt es was besseres, als mit einem Koch in Urlaub
zu fahren? Ich habe auf jeden Fall drei Kilo zugenommen ... ;-)
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