JB#0408
Feis Ile 2008 - Islay Festival of Malt and Music

 

Das Islay Festival of Malt and Music

Feis IleFür die zahlreichen Freunde von torfigem Whisky ist die Isle of Islay sozusagen das gelobte Land. Einmal im Jahr gibt es eine besonders gute Möglichkeit für eine Pilgerfahrt – das Islay Festival of Malt and Music oder auf gälisch: Feis Ile (sprich „Faisch Ail“).

Dabei handelt es sich um eine Art „Tag der offenen Tür“, jeden Tag in einer anderen Destillerie. Auf Islay gibt es 8 Destillerien plus Jura auf der gleichnamigen Insel nebenan, also dauert das Festival 9 Tage, dieses Jahr vom 24. Mai bis zum 1. Juni.

Obwohl ich nicht gerade der größte „Peatfreak“ bin, muss man natürlich mal dort gewesen sein. Mitten in meiner Urlaubsplanung erreichte mich eine Anfrage von Whiskykoch Chris Pepper bzw. seiner Frau Marion, ob ich deren Reise dorthin in meinem WHISKYFANBLOG vorstellen könnte. Konnte ich, und als sich meine anderen Planungen zerschlugen, hatten sie auch noch einen Platz für mich frei. Gibt es was besseres, als mit einem Koch in Urlaub zu fahren?

Leider ist die Anfahrt nach Islay nicht ganz einfach. Die schnellste (und natürlich auch teuerste) Möglichkeit sind drei Flüge: Frankfurt-London, London-Glasgow und Glasgow-Islay. Von Glasgow aus kann man auch per Bus nach Kennacraig auf der Halbinsel Kintyre und von dort mit der Fähre übersetzen. So oder so ist man mit den ganzen Wartezeiten mindestens 10 Stunden unterwegs. Mit Auto und Fähre von Deutschland aus ist es in einem Tag kaum zu schaffen.

 

Freitag, der 23. Mai 2008 – Anreise

Nach rund 10 Stunden Anreise wurden zwei Mitreisende und ich gegen 18 Uhr auf Islays winzigem Flughafen, einem Flugfeld aus dem zweiten Weltkrieg direkt am Strand, von Marion abgeholt. Mit dem Mietwagen ging es über die Küstenstraße, die bessere der zwei Hauptstraßen Islays, zur Red Lodge. Das sehr nette und vor allem recht neue rote Holzhaus mit fünf bequemen Doppelzimmern liegt zwei Meilen östlich von Islays größter „Stadt“ (ganz Islay hat nur 3400 Einwohner) Bowmore an der High Road (der schlechtern der zwei ...).

 

Samstag, der 24. Mai 2008 – Lagavulin

Nach einem ausgiebigen „Full Scottish Breakfast“ mit Porridge, Eiern, Speck, Würstchen und gebackenen Bohnen ging es runter an die Südküste, wo hinter dem Hauptort und Fähranleger Port Ellen, mit den Resten der gleichnamigen Destillerie und dem monströsen Wellblechgebäude der Port Ellen Maltings, die drei Destillerien Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg wenige Kilometer hintereinander liegen – aus dem Flugzeug übrigens ein sehr schönes Bild beim Anflug.Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde, je nach Mut des Fahrers auf den durch den Torfboden sehr welligen Straßen. Da die Mietwagen auf der Insel alle schon ziemlich durch sind, sitzt man dabei mit fünf Personen im Auto sehr schnell auf ...

Vor dem Besuch der Destillerie haben wir erst mal einen Abstecher zum Dunyveg Castle eingeschoben, einer sehr ruinösen Ruine auf einer kleinen Landzunge hinter Lagavulin mit wunderschönem Blick auf die Brennerei. Bei Lagavulin ging es dann erst mal in den Shop, um eine Flasche der begehrten und limitierten Festivalabfüllung zu ergattern. Eigentlich auf eine Flasche pro Person begrenzt, war es kein großes Problem, einfach mehrmals hinzugehen. Danach absolvierten wir hintereinander erst ein sehr witziges Warehouse-Tasting mit dem Original Ian „Pinkie“ McArthur, eine Destillerie-Tour und ein Masterclass-Tasting. Neben drei Glencairn-Gläsern mit Festival-Aufdruck gab es dabei auch einiges an Whisky zu probieren. Allein beim Warehouse-Tasting gab es schon einige Schätze direkt aus dem Fass, nach der Führung diverse offene Flaschen und bei der Masterclass schließlich noch New Make, das Festival Bottling, eine Friends-Abfüllung sowie die Distillers Edition und den Standard 16yo. Für den ersten Tag mehr als genug und eine ausreichende Grundlage für eine ausgiebige Tea Time und ein von Chris zubereitetes Dinner in der Red Lodge.

Man sollte noch kurz erwähnen, wie das Rahmenprogramm bei Lagavulin aussah: Ein Lastwagenaufleger als Bühne mit dem lokalen Hausfrauenchor und ein paar Hobbymusikern, Tee, Kaffee und belegte Brote sowie Muscheln mit Reis. Dazu haben sich ein paar Besucher im Hof verteilt, mit viel Glück waren es etwas über hundert. Dafür war das Wetter sensationell: wolkenloser blauer Himmel, Sonne, weit über 20 Grad, kaum Wind – und das sollte die Woche über auch so bleiben.

 

Sonntag, der 25. Mai 2008 – Bruichladdich und Laphroaig Friends Lounge

Am zweiten Tag stand Bruichladdich auf dem Plan. Da wir relativ früh dran waren, blieb noch Zeit für eine Fahrt nach Portnahaven. Von Bowmore aus muss man entlang der Küstenlinie von Loch Indaal fahren, einer Art Fjord, der früher zusammen mit dem weiter nördlich liegenden Loch Gruinart Islay in zwei Hälften teilte. Am Ende des nordwestlichen „Arms“ von Islay liegt Portnahaven, ein kleines Fischernest, in dessen Bucht meist Robben auf den vielen Felsen liegen. Die kleine vorgelagerte Insel Orsay mit dem Leuchtturm Rhinns Point macht das malerische Bild komplett.

Dass Bruichladdich nicht nur zu den Favoriten vieler Besucher, sondern auch der Einheimischen zählt, sieht man am Hoffest: Besucherzahl Lagavulin mal 10, ebenso die Stimmung. Als musikalische Untermalung u.a. Norma Munro und Robin Laing. Und „open day“ heißt hier wirklich: Alles offen, das Warehouse mal ausgenommen. Bottling Hall? Aber klar doch. Still House? Kein Problem. Einfach reingehen. Da können sich viele Brennereien auf dem schottischen Festland eine Scheibe abschneiden, wie man mit Besuchern umgeht.

Neben guten Burgers, Scallops und Scones gab es natürlich auch flüssige Nahrung. Neben diversen Barständen mit dem kompletten Programm von Bruichladdich und Murray McDavid waren wir bei der Masterclass im Warehouse No. 12 oben am Hügel. Eine Masterclass mit Jim ist wie ein Gottesdienst – vorne steht einer mit Mikro und redet wie ein Wasserfall und alle anderen hören andächtig zu. Nur dass hier keiner einschläft. Zumindest nicht, bevor die Schnäpse verkostet sind: Waves, PC7, 1991, 1988, Chateau D'Ykem, Rocks. Alle zwei Gläser unterbrochen von musikalischen Einlagen von Robin Laing (der auch als Stand-Up-Comedian gute Chancen hätte), Norma Munro und einem einheimischen Traditional-Sänger. Witzigerweise saß ich direkt unter einem der Dachfenster, durch das die Sonne reinbrannte. Mitten im Warehouse (fast) einen Sonnenbrand zu bekommen ist schon ein Kunststück.

Nach einem gemeinsamen Abendessen im Bridgend-Hotel in der gleichnamigen Ortschaft zwischen Bruichladdich und Bowmore fuhren wir noch runter zu Laphroaig zu einem(?) „Nightcap“ in der sehr schön gestalteten FOL(Friends of Laphroaig)-Lounge. Die Festivalabfüllung „Cairdeas“ (gälisch für Freundschaft), ein 12yo Single Cask vom Highgrove Shop und der 30yo(!). Da kann man nicht meckern und außerdem sehr gut schlafen ...

 

Montag, der 26.05.2008 – Ardbeg und Caol Ila

Caol Ila hatte schon im Vorfeld angekündigt, statt einer eigenen Festivalabfüllung einen 21jährigen Port Ellen von 1981 abzufüllen – und das für nur 99,99 GBP bei 200 Flaschen! Das roch nach schneller Preissteigerung und entsprechend viele Interessenten fuhren früh zur Destillerie, um der britischen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen – Schlangestehen. Wir waren leider etwas spät dran und dachten uns schon, dass es wohl nicht reichen wird. Bis auch jemand von der Destillerie darauf kam, dass man die Schlange ja mal abzählen könnte, dauerte es eine Weile.

Für uns zu lange, weshalb wir zur Masterclass mit Mickey Head zu Ardbeg aufbrachen, die unter dem Titel “Talking Heads” im frisch renovierten Malting Floor gegenüber dem Kiln Café stattfand. Vorne ein Tisch mit den Flaschen, dahinter ein Kreis aus Fässern zum Abstellen der Gläser. Mickey ruft erst mal alle in die Mitte und statt einer schulartigen Veranstaltung wie anderswo gibt es ein lockeres Gespräch, bei dem er rundum von Gruppe zu Gruppe geht und sich mit jedem ausführlich unterhält. Dazu gibts in lockerer Folge den Very Young, den neuen Renaissance, den sehr guten Corryvreckan (Committee only), einen 1975 Single Cask Oloroso Sherry mit 54% sowie als Überraschung ein Cask Sample eines 5jährigen aus einem Weißweinfass, zu dem Mickey sich keine weiteren Infos entlocken ließ. Eine wirklich tolle Veranstaltung und ein würdiger, wenn auch ganz anderer Nachfolger von Stuart Thomson als Distillery Manager. Als er dann noch verlauten ließ, dass in Zukunft wieder eigenes Malz bei Ardbeg produziert werden soll, sorgte das bei vielen für leuchtende Augen.

Danach zurück ins Auto und wieder quer über die Insel zurück zu Caol Ila zur Führung und anschließenden Masterclass mit Manager Billy Stitchel. Die Führung wurde vom selben Personal durchgeführt wie bei Lagavulin und war nur mäßig interessant. Die Destillerie wirkt wie eine sterile Fabrik und bei der Masterclass wurde dann auch klar, warum das so ist. Im Warehouse war ein Kreis von Fässern aufgebaut, darauf eigens für den Tag produzierte Tasting Mats mit peated und unpeated New Make, einem 8yo unpeated, dem 12yo Destillery only Bottling, dem 25yo sowie der Destillers Edition. Dabei wurde klar, dass der unpeated Spirit eigentlich der viel bessere ist, aber sich angesichts der Islay-Peat-Euphorie kaum vermarkten lässt. Zudem hat die Destillerie keinen Einfluss auf die Abfüllungen, alles wird von der Konzernzentrale aus gesteuert und entschieden. Die Destillerie selbst produziert nur den Spirit, der sie gleich dnach verlässt und bei Lagavulin und anderswo gelagert wird. Kein Wunder, dass die Identifikation mit den eigenen Produkt eher mau ausfällt.

Nach einem High Tea in der Red Lodge, einer Art Brunch zur falschen Tageszeit, fuhren wir noch zur Blind Nosing Competition in die Ramsay Hall in Port Ellen. Ein witziger Bau, der vorne als Kirche begonnen wurde und hinten als Scheune aufhört – zumindest wirkt es so. Drinnen Stände der Destillerien, an jedem nummerierte Samples aller Standardabfüllungen in blauen Blind-Nosing-Gläsern. Beim Eintritt bekommt man einen Zettel, bei dem man den Samples 1-8 die Destillerienamen zuordnen muss sowie für die New Makes 9 und 10 rausfinden, von welcher Destillerie sie stammen könnten. Obwohl man sich theoretisch an der Bar alle Abfüllungen ausschenken und gegennosen könnte, ist das verdammt schwer! Gewonnen hat Anders Jonasson, Mastermind der neuen schwedischen Box Destillerie, den wir ein paar Tage später im Rahmen eines Dinners noch kennen lernen sollten.

 

Dienstag, der 27.05.2008 – Laphroaig

Morgens stand eigentlich eine Warehouse-Tour mit Jim McEwan bei Bruichladdich auf dem Programm, die wegen Terminproblemen kurzfristig abgesagt werden musste. Statt dessen führte uns Academy-Absolvent Chris Pepper durch die Produktion und auch einige Ecken, wo man normalerweise nicht hinkommt.

Anschließend ging es gleich weiter zu Laphroaig, wo eine unerwartet interessante Führung mit dem Assistant Manager auf uns wartete. Die Malting Floors waren voll in Betrieb, man konnte sowohl frisch ausgebreitetes Malz sehen als auch solches, das bereits einige Tage gekeimt hatte. Dazu war die Kiln in Betrieb und man konnte sogar einen Blick hinein werfen. Eine Tour ohne jede Hektik, jede Frage wurde ausführlich beantwortet. Nach anderthalb Stunden waren alle rundum zufrieden und konnten sich als Abschluss noch kostenlos durch die komplette Range trinken.

Danach folgte die Masterclass mit Master Blender Robert Hicks in der Friends of Laphroaig Lounge statt, die wir ja schon am Sonntag im Rahmen des Nightcap besichtigen konnten. Als Samples gab es die Festivalabfüllungen der letzten drei Jahre: Von 2006 einen 12jährigen 1994er mit 56%, der eher in die süße Richtung mit Blutorange und Lakritz geht. Von 2007 einen 17jährigen 1989er mit 50% , eher sauer und floral. Und schließlich den Cairdeas von 2008 mit 55%, eine 10-14 ½ Jahre alte Mischung aus jüngeren Quarter Casks und älteren Sherry Butts. Ein interessantes Tasting mit vielen Einblicken in die Arbeit eines Master Blenders und wie man am besten viele Samples am Tag probiert – da es ein Video davon gibt, könnt Ihr Euch selbst ein Bild davon machen.

Nach einer Teepause in Arbegs Kiln Café mit Kuchen und sehr leckeren Waffeln mit Eis und Ahornsirup ging es zurück zur Lodge zu einem dreigängigen Whiskykoch-Dinner mit Kilchoman-Manager Anthony Wills und seinen bisherigen Abfüllungen. Nach einem 91er Bruichladdich von Coopers Choice als Einstieg gab es zum Kilchoman New Make eine Suppe mit Äpfeln und Makrelen, zum Einjährigen Roastbeef mit Kartoffelbrei, grünen Bohnen und grünem Spargel in Heidelbeersauce und zum Zweijährigen halbgefrorenes Parfait mit Eiweiß, Sahne und Himbeeren, das zudem noch durch den Kilchoman-Bramble-Likör ergänzt wurde. Zur Verdauung hinterher noch den 15jährigen Bruichladdich Duke of Edinburgh, eine mit 40 GBP sehr günstige sherrylastige Abfüllung.

 

Mittwoch, der 28.05.2008 – Bruichladdich Warehouse Tour und Bowmore im Regen

Am Mittwoch wurde dann die gestern ins Wasser gefallene Warehouse-Tour mit Jim McEwan bei Bruichladdich nachgeholt. Heute war Jim zwar körperlich anwesend, wirkte aber zuerst etwas geistig abwesend, was bei dem Sauwetter aber auch nicht wirklich verwunderlich war. Draußen goss es aus Kübeln, drinnen im Warehouse war es zwar kalt, aber wir wurden ja von innen gewärmt. Auch Jim taute beim Anblick seiner Schätze merklich auf und zauberte allerlei aus dem Fass – ich erinnere mich dunkel an einen Caol Ila, einen Auchroisk, einen zu lange gelagerten Springbank, einen göttlichen Littelmill und vieles mehr. Kein Laddie? Richtig, da lagern nämlich die Fässer für Murray McDavid!

Eigentlich schon gut abgefüllt geht es weiter zu Bowmore zur “Blass Class” mit Master Blender Ian McCallum. New Make mit 69% (toller Apfelschnaps), 12jähriger Standard, Enigma, Darkest, Mariner, 18er und zum Abschluss das Feis Ile Bottling 2008, ein auf 800 Flaschen limiterter 8jähriger Vat aus drei Weinfässern. Zartrosa, ölig, Tannin und Trauben – wirklich sehr lecker, aber mit 80 GBP auch sehr stolz bepreist. Da hilft auch die schwarze Samthülle nicht weiter.

Da der Regen nicht aufhörte schauten wir noch kurz bei Walter Schoberts Islay Ales vorbei, die heute auch ihren “open day” Day hatten. Der Andrang hielt sich in Grenzen. Nach einer Teepause im Quilt-Shop mit sehr interessanter Dekoration und noch interessanteren Kuchen (Zitat Chris: “Diese Art Kuchen habe ich das letzte mal als kleines Kind gesehen.”) bestand der Abschluss des Tages aus einem Dinner im Harbour Inn in Bowmore, den man durchaus empfehlen kann.

 

Donnerstag, der 29.05.2008 – Isle of Jura und Jura House Garden

Am nächsten Tag versprach das Wetter wieder Besserung und das war auch nötig, ging es doch rüber auf die Nachbarinsel Jura. Ich war sehr gespannt, da Jura nicht gerade zu meinen Topfavoriten gehört. Von Port Askaig im Nordosten Islays fährt eine kleinen Autofähre den knappen Kilometer rüber, auf Jura führt dann eine einspurige Straße, die man bei uns als asphaltierten Feldweg bezeichnen würde, die paar Kilometer um die Südspitze herum zum Hauptort Craighouse. Die ganze Insel hat übrigens nur 200 Einwohner, wovon die meisten wohl mit der Destillerie und dem angeschlossenen Jura Hotel zu tun haben dürften.

Bei der Führung dann schon die erste Überraschung – Master Distiller Willie Tait kommt als Erster auf die Idee, alle 5 Minuten Samples vom Middle Cut abzufüllen und die Besucher daran riechen zu lassen. Da man sonst ja nur den Querschnitt davon im Glas hat ist es sehr interessant, die Veränderung des Spirits über die 60 Minuten des Cuts kennen zu lernen, von einem fruchtigen Obstschnaps hin zu einem malzbetonten Korn.

Danach gehts zur Masterclass mit Distillery Manager Willie Cochrane in einem großen Zelt am Strand. Auf Fässern sind die vier zum Festival kreierten “Elements” Fire, Air, Water und Earth aufgebaut, die es in dieser Reihenfolge zu probieren gibt. Der 10jährige Fire kommt aus Bourbon- und Toasted-Oak-Fässern und hat einen entsprechend feurig-rauchigen Geschmack. Der 15jährige Air aus American White Oak und Manzanilla ist eher leicht und maritim. Der 19jährige Water ist aus drei Sherryfässern komponiert, frisch, marmeladig. Der Earth schließlich hat seinen Namen von der Verwendung des nur 1999 destillierten peated Spirits und ist 2 Jahre in French Limousin nachgereift, was ihm neben krafätigem Torfrauch einen leichten Geschmack nach Bitter Orange Marmalade verleiht. Alle zusammen wurden mit 46% in Auflagen zwischen 400 und 800 Flaschen abgefüllt. Zusammen kosten sie um 400 GBP, den Lederkoffer noch gar nicht mitgerechnet. Schade eigentlich.

Zum Abschluss geht es dann noch zur Mixing Class mit Master Blender (in den Fall durchaus zweideutig zu verstehen) Richard Patterson, der wie erwartet eine One-Man-Show erster Güte hinlegt. Nach kurzer Einführung sollen die Teilnehmer aus diversen Samples ihren ganz persönlichen Blend kreieren. Die nummerierten Gläser werden eingesammelt und nach dem Mittagessen aus durchaus leckeren Burgers und Game Sausages von Patterson benotet. Die drei ersten Plätze bekommen je eine Abfüllung geschenkt, die Plätze danach immerhin noch eine Urkunde, die der Meister höchst persönlich ausfüllt und unterschreibt. Für alle gibt es zudem noch ein kleines Paket aus einem Schlüsselanhänger, einem Jura-Glas und einer Miniatur der Standardabfüllung. Die Jungs geben sich Mühe, muss man wohl auch, am Ar... der Welt ;-)

Auf halbem Weg zurück zur Fähre legen wir noch einen Spaziergang durch den Jura House Garden ein. Unterhalb des immer noch bewohnten Herrenhauses liegt bis runter zum Strand eine typisch britische Gartenanlage mit einer Kombination aus totaler Wildnis und grellbunt überbordenenden Gärten. Das schöne Wetter lädt zu einer kurzen Pause am Strand ein, bei der sich ein mutiger Tourist (ich nenne jetzt keine Namen ...) sogar ins eiskalte Wasser wagt. Sobald man die windige Küste verlassen hat, überfallen einen in den von Mauern umgeben Gärten leider die Midges, weshalb wir uns schnell zurück zu den Autos begeben – um dann ewig auf die Fähre zu warten. Beim kürzlich erfolgten teueren Umbau der Kaianlagen von Port Askaig hat man leider übersehen, dass die große Fähre vom Festland leider die kleine Autofähre nach Jura blockiert, sobald sie anlegt ... so fällt der Tee leider aus und geht direkt in ein Dinner in der Lodge über.

 

Freitag, der 30.05.2008 – Finlaggan, Bunnahabhain und Kilchoman

Das Wetter hat sich nun endgültig für Hochsommer entschieden und so geht es mit viel Sonne und wenig Wind erneut in den Nordosten der Insel zu Bunnahabhain, nicht ohne einen Abstecher zu Finlaggan, dem Sitz der Lord of the Isles. Auf einer Insel in einem versteckt liegenden See liegen die wenigen Ruinen einer Siedlung, in der einmal gut tausend Personen gelebt haben, bevor sie von den Engländern zerstört wurde.

Die Lage Bunnahabhains in einer geschützten Bucht mit direktem Blick auf die Paps of Jura ist einfach traumhaft! Ein Engländer führt uns durch die Destillerie, die durch Ihre sehr ungewöhliche Form der Brennblasen besticht. Die riesigen Sherry Butts im Warehouse erinnern mich daran, dass der Bunna eigentlich zu meinen Lieblingen gehört, wenn ich auch bisher eher wenig davon getrunken habe. Auf dem kleinen Hoffest gibt es dann die Gelegenheit, die leider total überteuerte Festivalabfüllung, einen 21jährigen Cask Strength von 1986 zu probieren. Wenn er nicht knapp 200 GBP kosten würde, hätte ich ihn sofort gekauft.

Bunnahabhain hat sich etwas besonderes überlegt und einen “Mixologist” engagiert, einen französischen Barkeeper namens Mikael Perron, der in einer zweistündigen Session das Mixen von Cocktails mit Bunna 12 und Black Bottle nicht nur erklärt, sondern die Teilnehmer selbst Hand anlegen lässt. Nun weiß ich endlich, wie ein Whisky Sour richtig geht und warum die meisten die man so trinkt so unglaublich schlecht sind.

Am späten Nachmittag geht es dann noch zur jüngsten Islay-Destillerie Kilchoman (das c wird übrigens nicht gesprochen: Kil-homan, mit Betonung auf dem h!). Im Nebengebäude einer Pferdefarm liegt der nette Shop mit Café und direkt daneben die übersichtliche Destillerie, ein Still Room und einer mit den Bottichen, alles noch “at work” mit Rohren, die im Nirvana enden und herumliegenden Schraubenschlüsseln, Sägen und Bohrern. Winzig, aber sehr nett!

Wenige Kilometer weiter Richtung Westküste liegt die Machir Bay, ein breit geschwungener Sandstrand, an dem wir ein Picknick mit Barbeque einlegen. Auf drei kleinen Aluschalen-Grills aus dem Supermarkt zaubert Chris Burgers, Sausages und Lachssteaks, die wir vor dem Küstenpanorama und zurückgehendem Wasser genießen. Herrlich. Nach dieser Ruhe spare ich mir zusammen mit zwei Mitreisenden den Ball bei Bunnahabhain unter dem programmatischen Titel “Malt, Music and Midges”, von dem die anderen erst weit nach Mitternacht zurück kommen.

 

Samstag, der 31.06.2008 – Ardbeg

Gut erholt starten wir zum Abschluss der Reise, dem Open Day bei Ardbeg. Nach einem kurzen Abstecher zum Kildalton Cross versammeln sich dort noch mal alle, die in dieser Woche auf der Insel waren. Entsprechend voll sind Café (Warteliste!) und Hof, in dem eine wirklich gute Band Klassiker von den 60ern über Pink Floyd bis AC/DC spielt. Zwischendurch eine Distillery Tour mit der Frau von Mickey Head, ein leckeres Essen im Kiln Café und für einen Teil unserer Gruppe eine Wanderung zur Wasserquelle des Airigh Nam Beist. Ein schöner Abschluss, gekrönt vom Abschiedsdinner im Port Charlotte Hotel, das als bestes Restaurant der Insel gilt und diesen Ruf wohl auch verdient hat.

 

Ruhetag und Abreise

Nach dem Ende des Festivals beiben ich und die meisten der Mitreisenden noch einen weiteren Tag auf Islay, den wir für eine Wanderung zum Steinzeitfort Dun Nordebridge nutzen. Den Rest vom Tag verpacken wir unsere Einkäufe, die gesammelt auf einer Palette den Weg nach Deutschland antreten (und nach einigen Wirrungen wie zu erwarten erst lange nach uns dort eintreffen). Die Rückreise am Montag verläuft etwas chaotisch. Erst Nebel in Glasgow, dann ein ausgefallener Flug nach London und schließlich noch eine Verzögerung wegen Unwetter in Frankfurt – um Mitternacht komme ich dort an, kurz nach 17 Uhr hätte es sein sollen.

 

Das Fazit

Trotz aller Umstände kann ich jedem nur empfehlen, einmal selbst nach Islay zu fahren. Die Insel ist Schottland im Kleinen - Highlands, Lowlands, Küste, alles auf wenigen Kilometern. Auch wenn An- und Abreise etwas lästig sind, es lohnt sich! Und um meine Bemerkung vom ersten Teil des Reiseberichts zurück zu kommen: Gibt es was besseres, als mit einem Koch in Urlaub zu fahren? Ich habe auf jeden Fall drei Kilo zugenommen ... ;-)

Links zum Artikel:

Jörg Bechtold - www.whiskyfanpage.de