Am 03.11.07 fand das dritte Schwabentasting in Maulbronn statt.
Mit 11 Teilnehmern auch das am besten besuchteste der drei Tastings
bisher. Wie beim 2. Schwabentasting waren wieder vier MaltGermaniacs
anwesend: Jörg K., Jörg B., Willi und meine Wenigkeit.
Gestartet
wurde schon in der angemieteten Ferienwohnung des Gästehauses
mit dem beinahe legendären “Vorglühen” mit
Mario (manwithkilt) und Gunnar. Hier gönnte ich mir, frisch
eingetroffen, einen Glen Grant 1958 G&M von Mario. Ein wunderbarer
alter Glen Grant mit schönen Fruchtnoten im Sherry gut eingebettet.
Dieser konnte im weiteren Verlauf des Abends auch nicht mehr getoppt
werden (rein subjektiv gesehen versteht sich).
In der Zwischenzeit sind die weiteren Teilnehmer eingetrudelt,
während ich mir die Zeit mit dem Bowmore 69/06 mit 44% cask
6090 von DTC vertrieb. Ein torfiges altes Teil mit Schinkenaromen,
der aber leider im Finish etwas flach und flüchtig wirkte.
Die Ferienwohnung wurde immer voller und mein Glas füllte
sich mit dem St. Magdalene 19yo. 79/96 aus der Rare Malts Selection.
Dieser war im Nosing ein komplexes floral-rauchiges Erlebnis.
Im Geschmack dann lowlandtypisch malzig-rauchig mit einem pupstrockenen
Finish. Interessant, aber in Geschmack und Finish gegenüber
dem Nosing etwas enttäuschend.
Kurz vor dem Aufbruch zur Klosterwanderung gönnte ich mir
dann noch einen Bladnoch 90/02 aus der Single Barrel Collection.
Ein netter Alltagswhisky - in keiner Hinsicht außergewöhnlich,
aber angenehm zu trinken. Jetzt ging’s erstmal durchs Maulbronner
Kloster, welches zum Weltkulturerbe der Unesco gehört; mit
Ozzy als Führer. Und diesmal gab’s sogar eine neue
Tour!
Nachdem man sich der körperlichen Ertüchtigung und
der Kultur hingegeben hatte fand man sich im Verkostungsraum des
Gästehauses wieder und verkostete die drei Samples des WhiskyCups
2007! Auch nach langen Diskussionen gab es unter den 11 Teilnehmern
selten Übereinstimmung um welchem Schnaps es sich bei den
einzelnen Proben handelt. Man darf gespannt auf die Auflösung
warten ...
Während Ozzy die Spätzle zubereitete und das Hirschgulasch
auf Touren brachte fand der Millburn 74/01 mit 57,7% aus der Chairman’s
Stock - Reihe von Cadenhead’s den Weg in mein Glas. Ein
leichter Whisky, der mich im Nosing mehr überzeugte als im
Geschmack und Finish. Wasser tut ihm in jedem Fall gut. Kurz darauf
folgte der Glen Elgin 90/07 von SSMC aus dem Faß mit der
Nummer 5269. Warum dieser Malt schon nicht mehr zu haben ist kann
ich nicht nachvollziehen. Entweder hatte ich eine miserable Tagesform
oder mein Geschmack ist entgegen dem der Allgemeinheit. Im Geruch
erinnert er mich am ehesten an ein Ricola Kräuterbonbon.
Im Geschmack baut er komplexitätsmäßig stark ab.
Auch der daraufhin folgende Strathisla 40yo. 67/07 von DTC mit
48,8% konnte mit seinen Kräuteraromen bei mir nicht punkten.
(Ok, diese kräuterigen Aromen find ich meistens recht fürchterlich!).
Nach
einem kleinen Durchhänger entschied ich mich erstmal fürs
Wassertrinken ... aber nicht für lange! Den von Josh mitgebrachten
Glenrothes OA 1972 mit 43% wollte ich auch noch probieren, da
ich von den älteren OA’s sonst nur den 1970er kenne.
Nun, selbst Josh mußte zugeben, dass er diesen 1972er vollkommen
anders in Erinnerung hatte. Das Nosing war sehr ungewöhnlich
und erinnerte mich spontan an käsige, alte Socken. Im Geschmack
war davon nichts zu merken, nur Kräuter und Sherry. Offenbar
ist diese Abfüllung je nach Sensitivität der Wahrnehmung
und Tagesform sehr wandelbar. Am nächten morgen hatte ich
nochmal den Korken gezogen und reingerochen - jetzt war hier gar
nichts käsiges mehr vorhanden, sondern vielmehr sanfte, weiche
sherryartige und rumartige Aromen! Mit dieser Abfüllung muß
man sich wohl noch etwas beschäftigen.
Einstimmige Ablehnung schlug jedoch dem Glen Garioch OA 1980,
22yo. mit 53% aus dem Bourbon Hogshead entgegen. Dies war wohl
der schlechteste Whisky, der an diesem Abend verkostet wurde.
In der Nase nach Holzleim und anderen Lösungsmitteln riechend
fand dieser bei Niemandem Zustimmung. Aber selbst dieser Glen
Garioch konnte noch geschmacksmäßig unterboten werden
- und das gleich zweimal! Zum einen durch den Bushpilot, den einzigen
canadischen Single Malt und den thailändischen Mekong Whisky,
der nur 35% Alkoholgehalt aufweist. Dem Geruch und Geschmack nach
muß hier echtes Lösungsmittel zur Erreichung der Trinkstärke
verwendet worden sein.
Abschließend
gönnte ich mir noch zwei größere Schnäpse:
Zum einen den Springbank Bond No.3 von Cadenheads, gebottled 2002
mit 51,7%. Ein uralter, tiefdunkler Sherry-Springer. Intensiv
und sherrylastig, wie man es erwartet. Nach den mehr oder weniger
kleinen Enttäuschungen in der Mitte des Tastings wieder ein
Lichtblick. Zum anderen einen Auchentoshan OA 1975, 21yo. mit
55,4%. Der Auchentoshan ist anfangs etwas schwer zu greifen, da
der hohe Alkoholgehalt hier ziemlich bissig wirkt. Man muß
ihm Zeit im Glas geben und kann ruhig etwas Wasser hinzugeben.
Neben Sherry wird er von holzigen Aromen dominiert und ist im
Finish sehr trocken.
Insgesamt gab es wieder einmal mehr Whiskies zur Auswahl als
man probieren konnte. Es müssen so um die 35 Flaschen gewesen
sein plus unzählige Samples, die sich auf den Tischen und
anschließend in den Gläsern getummelt haben. Schöne
alte Stoffe, die schon vor Jahren gebottled worden sind wie der
o.g. Millburn 74/01 oder der Clynelish 87/00 von der Alten Tabakstube
in Stuttgart oder ein weiterer Clynelish von Cadenhead’s,
der damals noch mit der schwarzen Pappbox daherkam. Auch aktuelle
Bottlings wie der SSMC Glen Elgin oder der Wiebers’sche
Ace of Spades und andere waren dabei. Insgesamt wieder ein hohes
Niveau an Whiskies, deren Verkostung den Rahmen zum Austausch
mit anderen Whiskyfans geboten hat.