Teil 2: Die Fortsetzung
Nachdem
ich im ersten Teil über die Geschichte des neuen Port Charlotte
berichtet habe, kommt hier die Fortsetzung. Mittlerweile sind
einige neue Abfüllungen erschienen, über die ich kurz
berichten möchte. Einige dieser neuen Bottlings habe ich
einer Geschmacksprobe unterzogen.
Da wäre zunächst der bereits im ersten Teil erwähnte
Port Charlotte First Cut aus dem Bourbonfass. Dieser Whisky hat
eine schöne dunkelgoldene Farbe. Die Nase ist teerig, rauchig.
Es erinnert an verbrannten Gummi und kalte Asche. Kurz: das volle
Islay-Programm. Im Geschmack wirkt er schon recht rund, trotzdem
aber noch eindimensional. Eine unterschwellige Süsse ist
zu erkennen, die aber noch von Rauch und Asche überdeckt
wird. Wasser öffnet ihn ein wenig. Doch Vorsicht, zuviel
zerstört den Whisky. Dieser Whisky ist auf einem guten Weg,
hätte jedoch durchaus noch viel Zeit gehabt.
Als Nachfolger des PC 5 erschien im Herbst
2007 der PC 6, als nächste Destillerieabfüllung. Mit
61,6% stammt er aus Bourbon und Madeirafässern, worauf seine
Farbe unmissverständlich schließen lässt. Die
Auflage betrug 18.000 Flaschen. Besonders zu erwähnen ist
die Aufmachung. Dose und Label zeigen verschiedene Destillerie-Mitarbeiter.
Insgesamt gab es sechs verschiedene Designs zu je 3.000 Flaschen.
Hier wurden gezielt die Sammler angesprochen, denn der Inhalt
ist der Gleiche.
Die Farbe zeigt ein leichtes rosa, dass von den Madeirafässer
herrührt. Die Nase ist rauchig, schinkig, allerdings weniger
vielschichtig als beim First Cut. Der Rauch setzt sich im Mund
fort, jedoch kann sich die typische Madeira-Süsse noch nicht
durchsetzen. Anflüge davon sind jedoch zu erkennen. Dieser
Whisky wirkt etwas gefälliger als der First Cut, ist nicht
so ein Torfbrett wie dieser. Vermutlich wollte Bruichladdich durch
die Zugabe der Madeirafässer den Whisky „massenfähiger“
machen. Leichte Wasserzugaben verstärken das Madeira-Aroma,
lassen den Whisky aber insgesamt eher bitter wirken.
Der PC 6 hat meiner Meinung nach das gleiche Problem aller jungen
Port Charlottes, er ist noch zu eindimensional. Um ihr Potential
ausspielen zu können, bedarf es sicherlich noch einiger Reifezeit
in den Warehouses. Im Herbst diesen Jahres wird der PC 7 auf dem
Markt kommen. Ich werde auch ihn mit großem Interesse erwarten.
Thomas Krüger (Whiskygalerie Rendsburg) hat zwischenzeitlich
drei Hogsheads abfüllen lassen, zwei davon in seiner hauseigenen
Eidora-Serie. Auch diese Bottlings habe ich getestet. Alle drei
Bottlings haben eine sehr helle, weinartige Farbe und scheinen
aus Bourbon Hogsheads zu kommen.

Eidora Nr. 8, Port Charlotte, 6yo., 2001-2007, 66,5%, Cask No.
49, 334 Fl.
Der Eidora Nr. 8 zeigt eine alkoholische Note, eine sprittige
und wenig rauchige Nase. Geschmacklich sehr rauchig mit einem
kurzen rauchig-torfigem Nachhall. Die rauchige Note entwickelt
sich sehr langsam im Mund. Auch hier gilt: Vorsicht mit Wasser.

Eidora Nr. 9, Port Charlotte, 6yo., 2001-2007, 66,5%, Cask No.
50, 331 Fl.
Eidora Nr. 9 entwickelt eine wesentlich rauchigere Nase.
Der Geschmack entspricht den bekannten Torfbrettern, er wirkt
allerdings unangenehm süss und alkoholisch. Wasser macht
ihn leider nicht besser, ein zuviel Wasser zerstört den Whisky.

„Baffo“, Port Charlotte, 6yo., 2001-2007, 46%, Cask
No. 53, 481 Fl.
Bottling zu Ehren des Italienischen Whiskykenners Eward Giaccone
„Baffo“
Der „Baffo“ wirkt bereits in der Nase alkoholisch
scharf. Geschmacklich eher schlaff, ohne die Power der Fassstärke.
Dieser Whisky kann nicht mit der Trinkstärke von 46%. Er
wirkt eher wässrig und dünn, eindimensional. Der rauchige,
torfige Nachhall entwickelt sich auch nur sehr langsam.
In meiner Testreihe hat der First Cut am
besten abgeschnitten. Er ist unter den Jungspunden noch der rundeste
und vielschichtigste.
Eine weitere, interessante Abfüllung vermeldet Royal Mile
Whiskies, Edinburgh. Ian Buxton hat einen Port Charlotte mit folgenden
Daten ausgewählt:

Refill Bourbon Barrel No. 299, 5 yo., 12.6.2002 – 5.11.2007,
432 0,5l-Fl., 46%
Diesen Port Charlotte konnte ich leider noch nicht probieren,
möchte ihn aber Vollständigkeit halber hier erwähnen.
Er wird ausschließlich von Royal Mile Whiskies vertrieben.
Die Tasting Notes aus der Website lassen ebenfalls einen rauchig-torfigen
Jungspund mit leichter Boubon-Süsse vermuten.
Die Entwicklung zeigt, dass viele Port Charlotte
wesentlich zu früh abgefüllt werden. Eidora Nr. 9 ist
das beste Beispiel dafür. Dass der Port Charlotte auf einem
guten Weg ist, zeigt uns der First Cut. Aber auch der PC 6 mit
Anteilen aus Madeirafässern zeigt interessante Anklänge.
Schauen wir hoffnungsvoll in die Zukunft. Auch würde ich
gerne mal wieder einen jungen Port Charlotte aus dem Sherryfass
probieren, um zu sehen wie hier die Entwicklung weitergeht. Vielleicht
habe ich bald die Gelegenheit dazu. Ich werde auf jeden Fall weiter
berichten.
Gerold Vincon
Wird fortgesetzt.