Endlich
wieder Urlaub, endlich wieder in Schottland! Welcher Whisky
Fan wünscht sich nicht, ins Whiskyland schlechthin zu reisen.
Klar war sofort, dass neben wandern natürlich auch die
eine oder andere Destille angeschaut werden sollte und natürlich
sollte auch eine Tour mit anschließendem Tasting nicht
fehlen, also haben wir uns bereits Monate bevor es los ging
bei Balvenie per E-Mail für die Tour inklusive Tasting
am 28.07. angemeldet.
Am Vortag waren wir bereits in der Speyside im Aberlour Hotel
angekommen und hatten einen netten Abend in der Craigellachie
Hotel Whiskybar sowie im Pub „The Mashtun“ in Aberlour
verbracht. Da es von Aberlour nach Dufftown nur ein Katzensprung
ist, verbrachten wir den Vormittag mit einer kleinen Speyside
Sightseeing Tour u.a. in Elgin bei Gordon&MacPhail sowie
bei der The Macallan Destillery. Nach einem leckeren Mittagessen
machten wir uns gut gelaunt und gestärkt bei strahlendem
Sonnenschein zu Fuß auf den Weg zur Glenfiddich Destillery.
Laut E-Mail sollten wir um Punkt 2 PM vor dem Eingang auf unseren
Tourguide für die Tour bei The Balvenie warten.
Nach
kurzer Wartezeit erschien dann auch unser Guide Rob MacPherson
und fuhr uns per Landrover rüber zur benachbarten Balvenie,
die wie auch die Glenfiddich noch immer im Besitz der Familie
Grants ist. Dort angekommen durften wir erst einmal im Office
bei Tee und Shortbread Platz nehmen und mit unserem Guide einen
kleinen Plausch halten. Leider war es für schottische Verhältnisse
mit guten 25 Grad sehr warm und wir mussten noch auf 2 Nachzügler
aus Kalifornien warten, bevor Rob der Ex-Manager von der Allt-a-Bhaine
Destillerie, die von Balvenie reaktiviert wurde, mit seiner
Führung beginnen konnte.
Zuerst führte uns Rob in den Malting Floor, der aktuell
leider nicht in Betrieb war, und erklärte uns dort ausführlich
wie man aus Gerste Malz gewinnt und das Balvenie nur etwa 10%
seines Bedarfes selber mälzen kann, der Rest muss wie bei
den meisten Destillen extern zugekauft werden. Gerade als wir
aus der Kiln unter der Pagode kamen, lieferte ein LKW eine Ladung
Malz an und wir konnten live zusehen wie das Malz in die Lagertanks
gekippt wurde.
Nach
einem Rundgang durch die Gebäude mit den Mashtuns und Washbacks
mit einer kleinen Probe des frischen Wort ging es wieder zum
Landrover. Diesmal fuhr uns Rob zur hauseigenen Cooperage, wo
die Fässer für die Lagerung von Glenfiddich und Balvenie
gelagert und bei Bedarf ausgebessert werden. Zwischen Bergen
aus amerikanischen White-Oak-Bourbon- und europäischen
Ex-Sherry-Fässern führte er uns in die Halle, wo die
Cooper Ihrer Arbeit nach gingen und erklärte uns alle Einzelheiten
der Arbeitsgänge bis hin zum Ausbrennen des fertigen Fasses.
Nach einigen Fotos ging es im Landrover wieder zurück,
diesmal ins Heiligtum der Destille, zu den Wash- und Spirit
Stills und den Spirit Safes. Bei der ungewöhnlich warmen
Außentemperatur war es hier drin geradezu „sakrisch“
heiss und die Dämpfe, die aus dem Spirit Safe entwichen,
könnten jemanden der sich länger hier aufhält
sicher richtig benebeln. Wieder draußen an der frischen
Luft ging es gleich weiter ins Eingemachte, nämlich ins
Warehouse Nr. 24 direkt im Nebengebäude.
Hier
erklärte uns Rob den Unterschied, den die Fässer bei
der Reifung des Single Malts ausmachen und wir durften unsere
Nasen in ein Ex-Bourbon- und ein Ex-Sherry-Fass reinhalten.
Betört von den feinen Gerüchen ging es in den Keller
des Warehouses, wo am Ende der Stapel 3 einzelne Fässer
aufgereiht waren, aus denen der geneigte Besucher sich selbst
für den Preis von 25 GBP eine 20cl Flasche abfüllen
kann. Bourbon, Refill und ein Sherry Cask stehen dafür
zur Auswahl, alle Jahrgang 1994 also ca. 14 Jahre alt, wobei
ich mich für das letztere entschied, während einige
andere Tourteilnehmer gleich alle 3 für sich abfüllen
wollten. Leider durfte vom Abfüllen selbst kein Foto geschossen
werden, da wegen der Dämpfe im Warehouse angeblich Explosionsgefahr
bestehen würde, na ja Schade drum, auch dass man den Stoff
vorher nicht kosten konnte, außer dem Bisschen was beim
Abfüllen übergelaufen war. Zum Abfüllen selbst
wurde ein sogenannter „Dog“ verwendet (ein kupfernes,
längliches Gefäss, dass die Lagerarbeiter in früheren
Zeiten zum entwenden des einen oder anderen Drams aus den Fässern
benutzt hatten). Dieser wurde in die Öffnung des Fasses
hinab gelassen, kurz gewartet bis es sich mit dem edlen Tropfen
gefüllt hat, herausgezogen und dann mit einem Trichter
in die leere Flasche umgefüllt. Nachdem alle Ihre Flaschen
befüllt hatten, ging es zum letzten Part der Tour, zum
Tasting Room.
Hier
gab es erst mal eine schöne Verpackung für die gerade
frisch abgefüllten Flaschen und Rob musste jede einzelne
in sein Zollbuch eintragen, wo auch noch jeder für seine
Flasche unterschreiben musste und einen kleinen Anhänger
mit den Daten erhielt, der dann am Flaschenhals per Schnur befestigt
wurde.
Nachdem alle Flaschen so verarbeitet waren, ging es endlich
zum eigentlichen Zweck der ganzen Tour, zum Probieren des Stoffes.
Zuerst gab es eine Probe eines frischen Newmake, also des frischen
ungefärbten Spirit, der noch keine Fasslagerung gesehen
hat. Danach gab es eine Auswahl der Balvenie Standard Abfüllungen:
12y Double Wood, 12y Signature, 15y Single Barrel Bourbon cask,
21y Port Wood und zum krönenden Abschluss noch den 30 jährigen
Balvenie.
Leider hatte Rob den Zeitplan schon ziemlich überzogen,
so dass wir recht schnell austrinken mussten. Dann ging es nebenan
in den Shop, wo nicht nur die Tour selbst bezahlt werden musste
(25 GBP pro Nase), sondern man auch noch die Gelegenheit hatte,
die diversen Balvenie Produkte (Whisky und Merchandising) zu
kaufen. Rob war von dieser Tätigkeit nicht besonders angetan,
zumal er einige Probleme mit der Kreditkartenmaschine hatte,
dazu meinte er nur, er sei eben ein Destiller und kein Kassierer.
Als
alle 7 Teilnehmer der Tour Ihre Einkäufe dann erledigt
hatten, ging es mit dem Landrover wieder zurück zum Eingang
von Glenfiddich, wo wir eigentlich auch noch in deren Shop rein
gehen wollten, aber inzwischen war es bereits viertel nach Sechs
und der Shop war leider schon zu! Somit blieb uns nichts anderes
übrig als Abschied von Rob MacPherson und der Balvenie
Destille zu nehmen, nicht ohne zu versprechen beim nächsten
Urlaub in Schottland wieder vorbei zu schauen, was ich natürlich
auch fest eingeplant habe!
Die Tour bei The Balvenie in Dufftown, der Single Malt Capital,
auf jeden Fall ein Erlebnis, selbst wenn man schon die eine
oder andere Destillen Tour gemacht hat. Wer mal nach Dufftown
kommt, sollte sich das nicht entgehen lassen!
Slainte!
Dirk