DPRO#0209
Destillerie-Tour bei The Balvenie – Sonne, Urlaub und Whisky

Endlich wieder Urlaub, endlich wieder in Schottland! Welcher Whisky Fan wünscht sich nicht, ins Whiskyland schlechthin zu reisen. Klar war sofort, dass neben wandern natürlich auch die eine oder andere Destille angeschaut werden sollte und natürlich sollte auch eine Tour mit anschließendem Tasting nicht fehlen, also haben wir uns bereits Monate bevor es los ging bei Balvenie per E-Mail für die Tour inklusive Tasting am 28.07. angemeldet.

Am Vortag waren wir bereits in der Speyside im Aberlour Hotel angekommen und hatten einen netten Abend in der Craigellachie Hotel Whiskybar sowie im Pub „The Mashtun“ in Aberlour verbracht. Da es von Aberlour nach Dufftown nur ein Katzensprung ist, verbrachten wir den Vormittag mit einer kleinen Speyside Sightseeing Tour u.a. in Elgin bei Gordon&MacPhail sowie bei der The Macallan Destillery. Nach einem leckeren Mittagessen machten wir uns gut gelaunt und gestärkt bei strahlendem Sonnenschein zu Fuß auf den Weg zur Glenfiddich Destillery. Laut E-Mail sollten wir um Punkt 2 PM vor dem Eingang auf unseren Tourguide für die Tour bei The Balvenie warten.

Nach kurzer Wartezeit erschien dann auch unser Guide Rob MacPherson und fuhr uns per Landrover rüber zur benachbarten Balvenie, die wie auch die Glenfiddich noch immer im Besitz der Familie Grants ist. Dort angekommen durften wir erst einmal im Office bei Tee und Shortbread Platz nehmen und mit unserem Guide einen kleinen Plausch halten. Leider war es für schottische Verhältnisse mit guten 25 Grad sehr warm und wir mussten noch auf 2 Nachzügler aus Kalifornien warten, bevor Rob der Ex-Manager von der Allt-a-Bhaine Destillerie, die von Balvenie reaktiviert wurde, mit seiner Führung beginnen konnte.

Zuerst führte uns Rob in den Malting Floor, der aktuell leider nicht in Betrieb war, und erklärte uns dort ausführlich wie man aus Gerste Malz gewinnt und das Balvenie nur etwa 10% seines Bedarfes selber mälzen kann, der Rest muss wie bei den meisten Destillen extern zugekauft werden. Gerade als wir aus der Kiln unter der Pagode kamen, lieferte ein LKW eine Ladung Malz an und wir konnten live zusehen wie das Malz in die Lagertanks gekippt wurde.

Nach einem Rundgang durch die Gebäude mit den Mashtuns und Washbacks mit einer kleinen Probe des frischen Wort ging es wieder zum Landrover. Diesmal fuhr uns Rob zur hauseigenen Cooperage, wo die Fässer für die Lagerung von Glenfiddich und Balvenie gelagert und bei Bedarf ausgebessert werden. Zwischen Bergen aus amerikanischen White-Oak-Bourbon- und europäischen Ex-Sherry-Fässern führte er uns in die Halle, wo die Cooper Ihrer Arbeit nach gingen und erklärte uns alle Einzelheiten der Arbeitsgänge bis hin zum Ausbrennen des fertigen Fasses.

Nach einigen Fotos ging es im Landrover wieder zurück, diesmal ins Heiligtum der Destille, zu den Wash- und Spirit Stills und den Spirit Safes. Bei der ungewöhnlich warmen Außentemperatur war es hier drin geradezu „sakrisch“ heiss und die Dämpfe, die aus dem Spirit Safe entwichen, könnten jemanden der sich länger hier aufhält sicher richtig benebeln. Wieder draußen an der frischen Luft ging es gleich weiter ins Eingemachte, nämlich ins Warehouse Nr. 24 direkt im Nebengebäude.

Hier erklärte uns Rob den Unterschied, den die Fässer bei der Reifung des Single Malts ausmachen und wir durften unsere Nasen in ein Ex-Bourbon- und ein Ex-Sherry-Fass reinhalten. Betört von den feinen Gerüchen ging es in den Keller des Warehouses, wo am Ende der Stapel 3 einzelne Fässer aufgereiht waren, aus denen der geneigte Besucher sich selbst für den Preis von 25 GBP eine 20cl Flasche abfüllen kann. Bourbon, Refill und ein Sherry Cask stehen dafür zur Auswahl, alle Jahrgang 1994 also ca. 14 Jahre alt, wobei ich mich für das letztere entschied, während einige andere Tourteilnehmer gleich alle 3 für sich abfüllen wollten. Leider durfte vom Abfüllen selbst kein Foto geschossen werden, da wegen der Dämpfe im Warehouse angeblich Explosionsgefahr bestehen würde, na ja Schade drum, auch dass man den Stoff vorher nicht kosten konnte, außer dem Bisschen was beim Abfüllen übergelaufen war. Zum Abfüllen selbst wurde ein sogenannter „Dog“ verwendet (ein kupfernes, längliches Gefäss, dass die Lagerarbeiter in früheren Zeiten zum entwenden des einen oder anderen Drams aus den Fässern benutzt hatten). Dieser wurde in die Öffnung des Fasses hinab gelassen, kurz gewartet bis es sich mit dem edlen Tropfen gefüllt hat, herausgezogen und dann mit einem Trichter in die leere Flasche umgefüllt. Nachdem alle Ihre Flaschen befüllt hatten, ging es zum letzten Part der Tour, zum Tasting Room.

Hier gab es erst mal eine schöne Verpackung für die gerade frisch abgefüllten Flaschen und Rob musste jede einzelne in sein Zollbuch eintragen, wo auch noch jeder für seine Flasche unterschreiben musste und einen kleinen Anhänger mit den Daten erhielt, der dann am Flaschenhals per Schnur befestigt wurde.

Nachdem alle Flaschen so verarbeitet waren, ging es endlich zum eigentlichen Zweck der ganzen Tour, zum Probieren des Stoffes. Zuerst gab es eine Probe eines frischen Newmake, also des frischen ungefärbten Spirit, der noch keine Fasslagerung gesehen hat. Danach gab es eine Auswahl der Balvenie Standard Abfüllungen: 12y Double Wood, 12y Signature, 15y Single Barrel Bourbon cask, 21y Port Wood und zum krönenden Abschluss noch den 30 jährigen Balvenie.

Leider hatte Rob den Zeitplan schon ziemlich überzogen, so dass wir recht schnell austrinken mussten. Dann ging es nebenan in den Shop, wo nicht nur die Tour selbst bezahlt werden musste (25 GBP pro Nase), sondern man auch noch die Gelegenheit hatte, die diversen Balvenie Produkte (Whisky und Merchandising) zu kaufen. Rob war von dieser Tätigkeit nicht besonders angetan, zumal er einige Probleme mit der Kreditkartenmaschine hatte, dazu meinte er nur, er sei eben ein Destiller und kein Kassierer.

Als alle 7 Teilnehmer der Tour Ihre Einkäufe dann erledigt hatten, ging es mit dem Landrover wieder zurück zum Eingang von Glenfiddich, wo wir eigentlich auch noch in deren Shop rein gehen wollten, aber inzwischen war es bereits viertel nach Sechs und der Shop war leider schon zu! Somit blieb uns nichts anderes übrig als Abschied von Rob MacPherson und der Balvenie Destille zu nehmen, nicht ohne zu versprechen beim nächsten Urlaub in Schottland wieder vorbei zu schauen, was ich natürlich auch fest eingeplant habe!

Die Tour bei The Balvenie in Dufftown, der Single Malt Capital, auf jeden Fall ein Erlebnis, selbst wenn man schon die eine oder andere Destillen Tour gemacht hat. Wer mal nach Dufftown kommt, sollte sich das nicht entgehen lassen!

Slainte!
Dirk