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AO#0509
Whisky und Food – Food und Whisky |
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Überall werden Whiskydinner angeboten und
es scheint auch so, als würde es noch einige Zeit dauern,
bis sie wieder aus der Mode kommen – falls es überhaupt
mal der Fall sein wird.
Whiskydinner sind sehr populär, aber auch sehr schwierig…
Whisky und Food – Food
und Whisky - eine gar nicht so einfache Vermählung
Aber wenn sie einmal gelungen ist, ein
wunderbares Erlebnis
Es wird immer gesagt, es handelt sich um kultivierte Umgangsformen,
einem Gast zu einem Essen auch etwas zu trinken anzubieten oder
umgekehrt. Es gibt Länder und Kulturen, da ist es üblich
nur Wasser zu reichen, da das Essen im Vordergrund stehen soll.
Es gibt aber auch Regionen, wo ein landestypisches Getränk
zu fast allem serviert wird, sei es nun z.B. Bier, Wein, Tee
oder Spirituosen. Warum also nicht auch Whisky, wird sich der
passionierte Whiskytrinker fragen. Wobei man vielleicht auch
gleich sagen sollte, dass es weder in Schottland, noch Irland,
noch Kentucky, noch Tennesee üblich ist zu jedem Essen
auch Whisky zu servieren. Bei der Aufzählung müsste
man jetzt vielleicht auch noch die Unterscheidung zwischen Whisky
und Whiskey machen, aber ich lege mich in diesem Falle mal auf
die faule Haut.
Natürlich sollten die jeweils geeigneten Whiskys angeboten
werden. Oder sind es die geeigneten Speisen? Es geht auf jeden
Fall keineswegs darum, Whisky immer und überall als Alternative
zu anderen Getränken zu empfehlen. Whisky passt zu vielem,
manchmal auf überraschend harmonische Weise, doch bestimmt
nicht zu allem.
Eine ausgewogene Berücksichtigung aller Geschmacksrichtungen
süß, salzig, bitter und sauer, das ist die Kunst
bei der Zusammenstellung dieser Kombination! Maltmaniac Martine
Nouet experimentiert als Köchin schon seit Jahren professionell
auf diesem Gebiet. Und mit viel Erfolg - wie ihre ausgebuchten
Dinner auf Festivals bestätigen! Aber es ist ja nicht nur
die Kombination Whisky zu Essen, sondern auch in Essen, wie
z. B. Saucen, Marinaden, Senf, Marmeladen etc., die in letzter
Zeit vermehrt auf den Markt gekommen sind. Gerade während
meiner jahrelangen Erfahrung des Whiskymarmeladekochens musste
ich immer wieder feststellen, weniger ist oft mehr!
Jeder Neugierige – egal ob Laie oder Profi - erlebt gerne
neue Geschmackskombinationen. Doch leider essen und trinken
wir in unserer angeblich so hektischen Welt fast automatisch
und wissen selbst einen guten Wein kaum noch zu schätzen.
Da ist es bestimmt keine leichte Aufgabe, das richtige Gericht
mit den richtigen Whisky ins Gleichgewicht zu bringen, doch
wenn es gelingt, ist ein sensationelles Erlebnis sicher.
Damit ein Whisky-Dinner zu jeder Gelegenheit und zu jeder
Jahreszeit perfekt wird, sollte es – wie stets bei einem
guten Essen – nicht kompliziert werden. Die am meisten
geeigneten Gerichte, die zu einem an sich schon komplexen Malt
serviert werden können, sollten schlicht sein – ein
Wort, das keinesfalls mit geringwertig verwechselt werden darf
– und sich ergänzen. Oft lesen sich die beiden Menükarten
„Dinner“ und „Whisky“ ganz toll, aber
die Kombination führt zu einem Desaster und jeder hätte
mehr davon gehabt, die beiden „Menüs“ getrennt
an zwei verschiedenen Tagen zu sich genommen zu haben.
Für viele Köche scheint Whisky aber leider immer
noch ein Fremdwort zu sein, und so endet dann auch das Resultat:
ein Gericht, das geschmacklich kaum mit dem gebotenen Whisky
harmoniert. Das heißt entweder zerstört das Essen
das Geschmacksempfinden für den Whisky oder umgekehrt.
Ich habe oft feststellen müssen, dass z. B. Curry, sehr
gepfefferte oder stark gewürzte Gerichte gar nicht gehen.
Auch fett geräucherter Lachs ist sehr schwer zu kombinieren.
Kaltes, wie Sorbet und Eis funktionierte bei meinen bisherigen
Dinnerteilnahmen auch sehr schlecht, da die Eiskristalle die
Zunge „betäuben“ und so sich die Aromen des
Whiskys auf der Zunge nicht entfalten können. Es kommen
ja aber auch die wenigsten „Connaisseure“ auf die
Idee Eiswürfel in ihren Single Malt zu tun.
Da es scheinbar ein gar nicht so einfaches Thema ist, habe
ich mich nebst dem Studium der Literatur auch mal mit einem
sogenannten „Whiskykoch“ bzw. mit seiner „assistierenden“
Ehefrau Marion unterhalten. Der „Whiskykoch“ Chris
Pepper z. B. “analysiert” selbst vorher seine gebotenen
Whiskys, damit die nachher verwendeten Kräuter, Gewürze
und sonstige Zutaten auch wirklich passen. Die übliche
Vorbereitung bei den Zweien lautet:
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Wir legen unsere Whiskyauswahl für das Dinner fest.
-
Wir setzen uns in ruhiger Umgebung zusammen, oft auch
bei uns im Geschäft, wo später auch das Dinner stattfindet,
und sind mit Zettel und Stift und Whisky bewaffnet.
Alle Whiskies werden ernost und später auch ein Minischluck
getastet. Die Nosing- und Tastingnotes werden an einem Strang
der Mindmap notiert.
-
An den anderen Strang der Mindmap kommen nun die Zutaten,
Gewürze und Ideen, die uns zu dem jeweiligen Whisky in
den Kopf kommen.
-
Nächster Strang zeigt an, ob Aperitif, Digestif,
Vor-, Haupt- oder Nachspeisen Whisky und die Menü-Idee
  
Als Beispiel einfach mal eine Mindmap, wie es für ein
Whiskydinner bei denen aussehen kann:
| Whisky |
Tasting Info |
Ideen |
Menü |
| Glenmorangie Cellar 13 43 % |
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Aperitif |
| Glen Moray 12y, 40 % OA |
- N: Frühlingswiese, grasig, Zitrus, Mund wässrig
machend, Rhabarber, Bananen
- T: weich, Aprikosen, leicht holzig, blumig
- F: wieder Aprikosen, fruchtig, leicht kräutrig
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Die Aprikosen waren im Geschmack und Finish der zentrale
Punkt, so sind sie es auch im Gericht. Der Lachsschinken
gleicht die dominante Fruchtigkeit aus. Frischkäse passt
zu Frühlingswiese – leicht. |
Frischkäse-Terrine mit Aprikosen und Lachsschinken
serviert mit frittierter Petersilie |
| Glenfarclas 1991 Oloroso Sherry, OA 46 % |
- N: getrocknete Früchte, Holz, jedoch nicht überholzig,
crisp (knackig), fruchtig, parfümige Kräuter (Lavendel)
- T: good weight, crisp (knackig), nicht über“sherryed“
- F: fruchtig
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Die „Crispiness“ Knackigkeit wird durch die Karotten
– obwohl gekocht und nicht roh – übersetzt. Sie übersetzen
auch, natürlich zusammen mit den Sultaninen, die Süße
der getrockneten Früchte. |
Karotten-Sultaninen-Suppe mit Lavendel Dip |
| Ardbeg “Almost there” 1998-2007 54,1 % |
- N: Teer, fettig, geräucherter Fisch, Seaside, kräutrig,
geräucherte Gerste, Phenol, Medizin, leicht
- T: scharf, kantig, auch leicht, Malz, Rauch
- F: Mund wässernd (mouthwatery), grün (greenness)
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Der Ardbeg schreit nach fettig öligem Fisch. Ein Kartoffel-Püree
kann dies schön harmonisieren und wird, um die ernosten
Kräuter beizusteuern, mit Thymian serviert. Dann bleibt
es klassisch mit Zitrone zum Fisch, verfeinert zum Zitronenmousse
– mouthwatery ;-) |
Pochierte geräucherte Makrele auf Kartoffel-Thymian-Püree
serviert mit Zitronenmousse |
| “Secret Still” G&M (Glen Garioch), 1988-2007 45
% |
- N: malzig, Andeutung von Frucht, apflig, leichter
Rauch, Honig, brauner Zucker, Heide, Paint
- T: brauner Zucker – only? ;-)
- F: cremig, Honig, erstaunlicherweise recht torfig
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Dieser weiche Whisky kann gut zum Geflügel serviert
werden. Dabei brauner Zucker und Honig sowohl in Nose
und Taste – also in Honig glasiert. Aus der Frucht / dem
Apfel in der Nase wird das Apfelrisotto, das zusammen
mit dem grünen Gemüse Confit die süßen Noten des Honigs
wieder etwas ausbalanciert. |
In Honig glasierte Hähnchenbrust auf Apfelrisotto
mit grünem Gemüse-Confit |
| Aberlour A’Bunadh Batch 22 OA, 59,3 % |
- N: Rosinen/Sultaninen, Christmas Cake, Nüsse, cremig,
buttrig, immer und immer wieder getrocknete Früchte,
Äpfel, Bratäpfel, leichte Rauchigkeit, Pflaumen, Teig
- T: Nussig, Minze, trocken
- F: Muskat, Kuchengewürze, nussig, und wieder Trockenfrüchte
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Wäre fast als indisches Curry mit Rosinen und Früchten
zum Vorspeise oder Hauptgang avanciert. Doch diese sind
besetzt und am Ende passt er doch besser zur Nachspeise.
Unser weihnachtlicher A’Bunadh im Sommer. Würzig und weihnachtlich
bleibt der Brotpudding und die Backpflaumensauce. Den
Sommer aber auch die Cremig-/Buttrigkeit bringt der Rhubarb
Fool hinein. |
Würziger Brotpudding mit “Rhubarb Fool” und Backpflaumensauce
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| Port Ellen “Douglas of Drumlanrig” 25y, 1982 58,2
% Langside Distillers |
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Digestif |
„Alles in Allem kann man sagen, dass Whisky &
Food unseres Erachtens sehr gut funktioniert und dem Koch recht
viel Platz für Kreativität lässt. Die Reihenfolge
Food & Whisky ist unseres Erachtens definitiv schwieriger,
wenn man also zuerst das Essen hat und dazu den passenden Whisky
sucht. Eine Herausforderung! Sie lässt weniger Spielraum
für Kreativität. Es bleibt einem nachher eher nur
die Bewertung hat das Essen wirklich zu diesem Whisky gepasst?“
Ich hoffe, es hat allen eine kleine Anregung gegeben, die gerne
mit Whisky herumexperimentieren. Und bloß weil mir etwas
nicht schmeckt, heißt es ja noch lange nicht, dass ein
anderer eine Kombination nicht ganz toll findet. Probiert alles,
was Euch in den Sinn kommt, aber vergesst nicht, es vielleicht
vorher alleine zu testen, damit eventuelle Gäste nicht
vergrault werden :-)
Buchtipps zu diesem Thema mit Rezepten sind u. a. der deutschsprachige
Whisky-Botschafter und das englischsprachige Whisky Magazine,
„Whisky&Food“ von Chandra Kurt und „Whisky
with Dinner“ von Bernard Poirier.
Andere Artikel über Kombinationen von Käse &
Whisky, Schokolade & Whisky, Kaffee/Tee & Whisky gibt
es zum Teil schon bei unseren englischsprachigen Kollegen der
Maltmaniacs, werden aber bestimmt auch noch bei uns in irgendeiner
Aufmachung erscheinen.
Die Irreleitung und Blockierung unseres Geschmacks- und Geruchsempfindens
durch vorherige Einnahmen von Speisen/Getränken vor dem
Tasting werde ich versuchen, in einem meiner nächsten Artikel
zu beschreiben. 4 von 5 auserwählten Testpersonen haben
mich tatkräftig unterstützt und die Auswertung ist
im vollen Gange.
Also bis zum nächsten Mal in diesem Theater.
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