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Whisky und Food – Food und Whisky

Überall werden Whiskydinner angeboten und es scheint auch so, als würde es noch einige Zeit dauern, bis sie wieder aus der Mode kommen – falls es überhaupt mal der Fall sein wird.
Whiskydinner sind sehr populär, aber auch sehr schwierig…

Whisky und Food – Food und Whisky - eine gar nicht so einfache Vermählung

Aber wenn sie einmal gelungen ist, ein wunderbares Erlebnis

Es wird immer gesagt, es handelt sich um kultivierte Umgangsformen, einem Gast zu einem Essen auch etwas zu trinken anzubieten oder umgekehrt. Es gibt Länder und Kulturen, da ist es üblich nur Wasser zu reichen, da das Essen im Vordergrund stehen soll. Es gibt aber auch Regionen, wo ein landestypisches Getränk zu fast allem serviert wird, sei es nun z.B. Bier, Wein, Tee oder Spirituosen. Warum also nicht auch Whisky, wird sich der passionierte Whiskytrinker fragen. Wobei man vielleicht auch gleich sagen sollte, dass es weder in Schottland, noch Irland, noch Kentucky, noch Tennesee üblich ist zu jedem Essen auch Whisky zu servieren. Bei der Aufzählung müsste man jetzt vielleicht auch noch die Unterscheidung zwischen Whisky und Whiskey machen, aber ich lege mich in diesem Falle mal auf die faule Haut.

Natürlich sollten die jeweils geeigneten Whiskys angeboten werden. Oder sind es die geeigneten Speisen? Es geht auf jeden Fall keineswegs darum, Whisky immer und überall als Alternative zu anderen Getränken zu empfehlen. Whisky passt zu vielem, manchmal auf überraschend harmonische Weise, doch bestimmt nicht zu allem.

Eine ausgewogene Berücksichtigung aller Geschmacksrichtungen süß, salzig, bitter und sauer, das ist die Kunst bei der Zusammenstellung dieser Kombination! Maltmaniac Martine Nouet experimentiert als Köchin schon seit Jahren professionell auf diesem Gebiet. Und mit viel Erfolg - wie ihre ausgebuchten Dinner auf Festivals bestätigen! Aber es ist ja nicht nur die Kombination Whisky zu Essen, sondern auch in Essen, wie z. B. Saucen, Marinaden, Senf, Marmeladen etc., die in letzter Zeit vermehrt auf den Markt gekommen sind. Gerade während meiner jahrelangen Erfahrung des Whiskymarmeladekochens musste ich immer wieder feststellen, weniger ist oft mehr!

Jeder Neugierige – egal ob Laie oder Profi - erlebt gerne neue Geschmackskombinationen. Doch leider essen und trinken wir in unserer angeblich so hektischen Welt fast automatisch und wissen selbst einen guten Wein kaum noch zu schätzen. Da ist es bestimmt keine leichte Aufgabe, das richtige Gericht mit den richtigen Whisky ins Gleichgewicht zu bringen, doch wenn es gelingt, ist ein sensationelles Erlebnis sicher.

Damit ein Whisky-Dinner zu jeder Gelegenheit und zu jeder Jahreszeit perfekt wird, sollte es – wie stets bei einem guten Essen – nicht kompliziert werden. Die am meisten geeigneten Gerichte, die zu einem an sich schon komplexen Malt serviert werden können, sollten schlicht sein – ein Wort, das keinesfalls mit geringwertig verwechselt werden darf – und sich ergänzen. Oft lesen sich die beiden Menükarten „Dinner“ und „Whisky“ ganz toll, aber die Kombination führt zu einem Desaster und jeder hätte mehr davon gehabt, die beiden „Menüs“ getrennt an zwei verschiedenen Tagen zu sich genommen zu haben.

Für viele Köche scheint Whisky aber leider immer noch ein Fremdwort zu sein, und so endet dann auch das Resultat: ein Gericht, das geschmacklich kaum mit dem gebotenen Whisky harmoniert. Das heißt entweder zerstört das Essen das Geschmacksempfinden für den Whisky oder umgekehrt. Ich habe oft feststellen müssen, dass z. B. Curry, sehr gepfefferte oder stark gewürzte Gerichte gar nicht gehen. Auch fett geräucherter Lachs ist sehr schwer zu kombinieren. Kaltes, wie Sorbet und Eis funktionierte bei meinen bisherigen Dinnerteilnahmen auch sehr schlecht, da die Eiskristalle die Zunge „betäuben“ und so sich die Aromen des Whiskys auf der Zunge nicht entfalten können. Es kommen ja aber auch die wenigsten „Connaisseure“ auf die Idee Eiswürfel in ihren Single Malt zu tun.

Da es scheinbar ein gar nicht so einfaches Thema ist, habe ich mich nebst dem Studium der Literatur auch mal mit einem sogenannten „Whiskykoch“ bzw. mit seiner „assistierenden“ Ehefrau Marion unterhalten. Der „Whiskykoch“ Chris Pepper z. B. “analysiert” selbst vorher seine gebotenen Whiskys, damit die nachher verwendeten Kräuter, Gewürze und sonstige Zutaten auch wirklich passen. Die übliche Vorbereitung bei den Zweien lautet:

  1. Wir legen unsere Whiskyauswahl für das Dinner fest.
  2. Wir setzen uns in ruhiger Umgebung zusammen, oft auch bei uns im Geschäft, wo später auch das Dinner stattfindet, und sind mit Zettel und Stift und Whisky bewaffnet.
    Alle Whiskies werden ernost und später auch ein Minischluck getastet. Die Nosing- und Tastingnotes werden an einem Strang der Mindmap notiert.
  3. An den anderen Strang der Mindmap kommen nun die Zutaten, Gewürze und Ideen, die uns zu dem jeweiligen Whisky in den Kopf kommen.
  4. Nächster Strang zeigt an, ob Aperitif, Digestif, Vor-, Haupt- oder Nachspeisen Whisky und die Menü-Idee

Als Beispiel einfach mal eine Mindmap, wie es für ein Whiskydinner bei denen aussehen kann:

Whisky Tasting Info Ideen Menü
Glenmorangie Cellar 13 43 %     Aperitif
Glen Moray 12y, 40 % OA
  • N: Frühlingswiese, grasig, Zitrus, Mund wässrig machend, Rhabarber, Bananen
  • T: weich, Aprikosen, leicht holzig, blumig
  • F: wieder Aprikosen, fruchtig, leicht kräutrig
Die Aprikosen waren im Geschmack und Finish der zentrale Punkt, so sind sie es auch im Gericht. Der Lachsschinken gleicht die dominante Fruchtigkeit aus. Frischkäse passt zu Frühlingswiese – leicht. Frischkäse-Terrine mit Aprikosen und Lachsschinken serviert mit frittierter Petersilie
Glenfarclas 1991 Oloroso Sherry, OA 46 %
  • N: getrocknete Früchte, Holz, jedoch nicht überholzig, crisp (knackig), fruchtig, parfümige Kräuter (Lavendel)
  • T: good weight, crisp (knackig), nicht über“sherryed“
  • F: fruchtig
Die „Crispiness“ Knackigkeit wird durch die Karotten – obwohl gekocht und nicht roh – übersetzt. Sie übersetzen auch, natürlich zusammen mit den Sultaninen, die Süße der getrockneten Früchte. Karotten-Sultaninen-Suppe mit Lavendel Dip
Ardbeg “Almost there” 1998-2007 54,1 %
  • N: Teer, fettig, geräucherter Fisch, Seaside, kräutrig, geräucherte Gerste, Phenol, Medizin, leicht
  • T: scharf, kantig, auch leicht, Malz, Rauch
  • F: Mund wässernd (mouthwatery), grün (greenness)
Der Ardbeg schreit nach fettig öligem Fisch. Ein Kartoffel-Püree kann dies schön harmonisieren und wird, um die ernosten Kräuter beizusteuern, mit Thymian serviert. Dann bleibt es klassisch mit Zitrone zum Fisch, verfeinert zum Zitronenmousse – mouthwatery ;-) Pochierte geräucherte Makrele auf Kartoffel-Thymian-Püree serviert mit Zitronenmousse
“Secret Still” G&M (Glen Garioch), 1988-2007 45 %
  • N: malzig, Andeutung von Frucht, apflig, leichter Rauch, Honig, brauner Zucker, Heide, Paint
  • T: brauner Zucker – only? ;-)
  • F: cremig, Honig, erstaunlicherweise recht torfig
Dieser weiche Whisky kann gut zum Geflügel serviert werden. Dabei brauner Zucker und Honig sowohl in Nose und Taste – also in Honig glasiert. Aus der Frucht / dem Apfel in der Nase wird das Apfelrisotto, das zusammen mit dem grünen Gemüse Confit die süßen Noten des Honigs wieder etwas ausbalanciert. In Honig glasierte Hähnchenbrust auf Apfelrisotto mit grünem Gemüse-Confit
Aberlour A’Bunadh Batch 22 OA, 59,3 %
  • N: Rosinen/Sultaninen, Christmas Cake, Nüsse, cremig, buttrig, immer und immer wieder getrocknete Früchte, Äpfel, Bratäpfel, leichte Rauchigkeit, Pflaumen, Teig
  • T: Nussig, Minze, trocken
  • F: Muskat, Kuchengewürze, nussig, und wieder Trockenfrüchte
Wäre fast als indisches Curry mit Rosinen und Früchten zum Vorspeise oder Hauptgang avanciert. Doch diese sind besetzt und am Ende passt er doch besser zur Nachspeise. Unser weihnachtlicher A’Bunadh im Sommer. Würzig und weihnachtlich bleibt der Brotpudding und die Backpflaumensauce. Den Sommer aber auch die Cremig-/Buttrigkeit bringt der Rhubarb Fool hinein. Würziger Brotpudding mit “Rhubarb Fool” und Backpflaumensauce
Port Ellen “Douglas of Drumlanrig” 25y, 1982 58,2 % Langside Distillers   Digestif

„Alles in Allem kann man sagen, dass Whisky & Food unseres Erachtens sehr gut funktioniert und dem Koch recht viel Platz für Kreativität lässt. Die Reihenfolge Food & Whisky ist unseres Erachtens definitiv schwieriger, wenn man also zuerst das Essen hat und dazu den passenden Whisky sucht. Eine Herausforderung! Sie lässt weniger Spielraum für Kreativität. Es bleibt einem nachher eher nur die Bewertung hat das Essen wirklich zu diesem Whisky gepasst?“

Ich hoffe, es hat allen eine kleine Anregung gegeben, die gerne mit Whisky herumexperimentieren. Und bloß weil mir etwas nicht schmeckt, heißt es ja noch lange nicht, dass ein anderer eine Kombination nicht ganz toll findet. Probiert alles, was Euch in den Sinn kommt, aber vergesst nicht, es vielleicht vorher alleine zu testen, damit eventuelle Gäste nicht vergrault werden :-)

Buchtipps zu diesem Thema mit Rezepten sind u. a. der deutschsprachige Whisky-Botschafter und das englischsprachige Whisky Magazine, „Whisky&Food“ von Chandra Kurt und „Whisky with Dinner“ von Bernard Poirier.

Andere Artikel über Kombinationen von Käse & Whisky, Schokolade & Whisky, Kaffee/Tee & Whisky gibt es zum Teil schon bei unseren englischsprachigen Kollegen der Maltmaniacs, werden aber bestimmt auch noch bei uns in irgendeiner Aufmachung erscheinen.

Die Irreleitung und Blockierung unseres Geschmacks- und Geruchsempfindens durch vorherige Einnahmen von Speisen/Getränken vor dem Tasting werde ich versuchen, in einem meiner nächsten Artikel zu beschreiben. 4 von 5 auserwählten Testpersonen haben mich tatkräftig unterstützt und die Auswertung ist im vollen Gange.

Also bis zum nächsten Mal in diesem Theater.